by LiSe | 30. Jan. 2020 | Blog, Lyrische Kostprobe
Stefan Wehmeier – Gedichte
Wie Fäuste
ragen die gestutzten Weiden
aus dem Boden
stehen aufgereiht wie Soldaten
am Straßenrand
bilden
ein Spalier zur Begrüßung
Laut lärmen
die Spatzen hier in Plüschow
das Barock-Rundell gilt als morgentlicher Treff
Nur das metallische Schlagen
der Schlossuhr unterbricht sie und
seziert den Tag
Lauthalses Rattern des Kopfsteinpflasters
verheißt ein Ankommen
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by LiSe | 29. Okt. 2019 | Blog, Lyrische Kostprobe
AN THERESE
Ein Großstadtbaal – illuminiert sakral – die Läden,
Wasser auf dem Trottoire wirft sein Licht zurück,
Aus Wolken, irisierend – feinste Brausefäden.
Tageslicht – salpeterblütenweiß – wird Stück
Um Stück gekleidet in ein graues Nachtgewand.
War es auf der Wiesn, gleich am Riesenrad,
Als ich für grüne Augen, ein neues Grün erfand?
Aus fremden Nächten, erbeuten sich die Damen
Düfte aus Schächten – an der Sommerzeit vorbei.
Dein Odeur blieb im Flakon – bis Herren kamen,
Die fragten, wo das sagenhafte Schwabing sei,
Und wer hier das Blau von Lapislazuli verspricht.
Dilettanten Werk – vor Jahr und Tag erdichtet:
Verse von opakem Glas – spiegelt ihr mein Licht?
Franz OberHofer
by LiSe | 27. Aug. 2019 | Blog, Lyrische Kostprobe
Das Gewissen
Ich trag ein Bewusstsein mit mir,
eine Welt in der Welt,
in die ich gestellt,
ein beladener Raum in mir.
Fehlungen der Vergangenheit für immer
sind eingegraben im Sinn,
losgelöst vom Leib ist er hinter der Stirn;
die einigende Lösung kommt die nimmer?
Hier ist Geist und hier ist Leib,
irgendwo sitzt Gefühl und Gemüt.
Um Einheit der Splitter bin ich bemüht.
Die Dinge denkend zu empfinden liegt weit.
So weinen denn nur meine Gedanken,
der Leib fühlt beklommen,
wär doch alles verschwommen,
und brächt Weinen zerreißend mich ins Schwanken.
Raimund Fellner
by LiSe | 2. Juli 2019 | Blog, Lyrische Kostprobe
Blitzschlog
D’Luft druckts oba
Du hast nix zum sogn
S’braut se ebs zam
Und I wui ned fragn
Werd scho wieda
Wern
Oder ned
Magst mi gern
Oder ned
Segn ma dann
Geht no lang
So dahi
Du und i
Und sogst du
Irgendwann
Miaßma redn?
Isses gwen
Verena Ullmann
(Aus dem Gedichtband „Wedafest“, Allitera Verlag)
by LiSe | 4. Juni 2019 | Blog, Lyrische Kostprobe
spiel mir das lied
vom schafottschaf blut zerstäubt
als himbeerpulver am abendhimmel über dem ehrenmal
darunter die doldenskelette des bärenklaus verkrallt
ins graue leuchtender taubendreck wie grobe
brocken von feindschnee auf bronze sing mir
von helden + herkunft ein lied das trügt bis es trägt
deiner ahnen gewicht ich hab nur das malmen
des kiefers geerbt den man meinem großvater
wegschoss ins russische jede wortformung seitdem
ein phantom schmerz doch sah ich dich moskau + deine
aufschneiende schönheit die flocken so zärtlich
hebt niemand sie auf mit den wimpern
Axel Görlach
by LiSe | 29. Apr. 2019 | Blog, Lyrische Kostprobe
Muttersprache
Türkisch ist meine Muttersprache
Meine Muttersprache ist Deutsch
Die Brüste haben mich nicht gestillt
Mich zeugten heimlich die Zitzen einer Hindin
Meine Sprache ein Geweih heterodox
Am korrekten Ausdruck vorbei
Ich übersetze nicht
keine Sprache ich setze
aus dem Nichts über
Oya Erdogan