by LiSe | 31. Aug. 2017 | Blog, Rezension & Buchempfehlungen
Von Michael Berwanger
London 1881. Wie so oft schleicht der betagte Charles Darwin bei nächtlicher Dunkelheit durch sein Haus, da ihn Kopfschmerz, schlechte Verdauung und Selbstvorwürfe nicht schlafen lassen. Die Konzentration auf seine Forschungen verschafft ihm etwas Erleichterung. Und so tappst er vorsichtig durch sein Arbeitszimmer, wo Horden von Regenwürmern in Wedgewood-Keramik ihrer nächtlichen Arbeit nachgehen. Exemplare, die Darwin mit seiner Paraffinlampe anstrahlt, verziehen sich unter die Erde – manche sofort, andere nach Minuten. (mehr …)
by LiSe | 31. Aug. 2017 | Blog, Rezension & Buchempfehlungen
Von Katrina Behrend Lesch
Gern wird so ein Roman auch Roadmovie genannt, zwar ein dem Film entliehener Begriff, aber insofern stimmig, weil Lesen ja Kino für den Kopf ist. Seit „Tschick“, Wolfgang Herrndorfs Kultroman, hat diese Literaturgattung enorm an Boden gewonnen. Autor schickt Helden auf die Reise, damit der am Ende womöglich erkennt, wer er ist, wo er im Leben steht und was er von selbigem will. Bernhard Blöchl, Münchner Schriftsteller, Journalist und Betreiber des „Museums der schönen Sätze“ (www.lieblingssaetze.de), hat sich so einen Typen ausgedacht. Knoppke, Wachmann in der Allianz-Arena, nicht mehr ganz jung, nicht mehr ganz ansehnlich und mit einem miefigen Namen ausgestattet, nimmt sich inmitten allen Fußballwahnsinns nur mehr als „Zuschauerzuschauer“ wahr. Als er am Abend des Siegs Chelsea gegen Bayern, den Begeisterungstaumel der Fans noch in den Ohren, feststellt, dass ihn seine Lebensabschnittsgefährtin betrügt, knickt er den gemeinsamen Gran-Canaria-Urlaub und fährt ohne sie los in die schottischen Highlands. Einsamkeit und Regen, das ist es, was sich der Eigenbrötler und konsequente „Frauennichtversteher“ wünscht, doch kurz nach Augsburg macht ihm die junge Tramperin Sam einen Strich durch die Rechnung. Dem wortkargen Mann gelingt es irgendwie nicht, die nervtötende Quasselstrippe loszuwerden, wobei nach und nach klar wird, dass hinter ihr mehr als eine Zufallsbegegnung steckt. (mehr …)
by LiSe | 23. Aug. 2017 | Blog, Vermischtes
Die Landeshauptstadt München zeichnet (Nachwuchs-)Autorinnen und Autoren für vielversprechende literarische Projekte aus. Die diesjährigen Literaturstipendien erhalten Raphaela Bardutzky für ihr Theatertextprojekt „In Sachen Don Juan“, Vladimir Kholodkov für sein Romanprojekt „Richie – ein (Miss-)bildungsroman“, Stefan Lechner für sein Romanprojekt „Milena“ und Nora Zapf für ihr Lyrikprojekt „tag auf der kippe – 14 mischwesen“. Das Stipendium für Übersetzungsprojekte erhält Regina Rawlinson für ihre Übersetzung von Jeanette Wintersons „Christmas Days“. Das Stipendium für Kinder-/Jugendbuchprojekte geht an Silke Schlichtmann für ihr Jugendbuchprojekt „Skat“. Die alle zwei Jahre vergebenen sechs Stipendien sind mit jeweils 6.000 Euro dotiert.
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by LiSe | 2. Juli 2017 | Blog, Titelgeschichte
Rebell, Weltbürger, Erzähler – Oskar Maria Graf im Literaturhaus
Von Antonie Magen
Am Anfang begegnet man ihm in nichts weniger als in sechs unterschiedlichen Varianten. Der Besucher, der dieser Tage den Ausstellungsraum des Literaturhauses betritt, wird gleich eingangs mit einem halben Dutzend Porträts von Oskar Maria Graf konfrontiert. Die Bilder entstanden im Jahr 1932 und waren als Scherz gedacht, den sich Graf und der Maler Karl Wähmann erlaubten. Im Sommer dieses Jahres verbrachten die beiden viel Zeit miteinander, während der Wähmann Graf in zwölf Bildern verewigte. Der Clou war, dass sie jeweils in unterschiedlichen Malstilen der Moderne gestaltet waren und unter dem Titel „Zwölf ungenannte Maler variieren ein Männerbildnis“ einem der NSDAP nahestanden Kunsthändler angeboten wurden. (mehr …)
by LiSe | 2. Juli 2017 | Blog, Kolumne
Ganz sicher lesen die Herren nachts im Bett sehr lange in der Bibel, im 1. Buch Moses, unsere großen Literaturfürsten, die Herren Enzensberger, Krüger und andere. Diese aufregende Geschichte vom jungen Josef beispielsweise und der Frau des ägyptischen Beamten Potiphar, der Thomas Mann einige tausend Seiten gewidmet hat. Sie muss ihnen zu Kopf gestiegen sein, sie ist ja auch, sie hat was! Haben sich deshalb aus unserer Welt entfernt, die Herren, träumen von willigen Frauen, die, wenn abgewiesen, nach Rache dürsten? Fühlen sich nicht mehr verstanden. Verstehen: Ja, verstehen vieles nicht mehr. Jetzt müssen sie sich z. B. von der ZEIT, von der FAZ im hohen Norden vorwerfen lassen, „Münchner Spezlwirtschaft“ zu betreiben. (mehr …)
by LiSe | 2. Juli 2017 | Blog, Vermischtes
Mit einem Buch fing alles an
Das Café Ruffini
Von Ina Kuegler
Am Anfang war das Buch. Knapp 40 Jahre liegt das jetzt zurück, und das Buch hatte den Titel „So einfach ist Theater“. Der Ratgeber wandte sich an Kinder, sollte Spaß vor und hinter den Kulissen machen. Verfasser war ein Kollektiv, eine Gruppe von Freundinnen und Freunden aus der Liebigstraße 39. Aus der literarischen WG um Eberhard Spangenberg entstand wenig später das Café Ruffini in der Orffstr. 22-24, ein Kollektiv bis in unsere heutigen Tage. Unverändert ist auch das Pfund, mit dem das Ruffini seit seiner Gründung wuchert: Kaffee und Kuchen, italienische Weine und (zumeist) mediterrane Küche – und ein Faible für Literatur. (mehr …)
by LiSe | 2. Juli 2017 | Blog, Lyrische Kostprobe
Den Arsch gepackt
und zugestoßen
Flasche geleert
totgeschlafen
In später Nacht
In nasse Stiefel getaumelt
mit der Herde getrottet
aufgefädelt
Den Namen geknurrt
einen Holm erwischt
und wieder in die Planken
getreten
bis zum späten Licht
Zur Baracke gestolpert
und die Flasche gepackt
Jörg Schön
by LiSe | 2. Juli 2017 | Blog, Kurzgeschichte
Von Michael Laube
Susi stieg wie jeden Morgen in die S-Bahn und wusste nicht, dass sich an diesem Tag ihr Leben fast verändern würde. Man weiß das nie, jederzeit kann etwas Unvorhergesehenes passieren. Die Unfall-Kliniken sind voll von Menschen, die morgens noch nicht gewusst haben, dass sie abends im Krankenhaus liegen würden.
Aber Susi war noch nicht in dem Alter, in dem man die Unfallmeldungen in der Zeitung liest und sich freut, dass man noch gesund ist. Sie war mit ihren 16 Jahren naturbedingt mehr an männlichen Wesen ähnlichen Alters interessiert. (mehr …)