[LiSe 10/23] Alles Blau: Zu Tania Rupel Teras neuem Erzählband

Von Ulrich Schäfer-Newiger

Dieses Buch ist ein blaues Buch: Der blaue Umschlag, ein blaues Gemälde wiedergebend, innen ein blaues Selbstbildnis der Autorin, das blaue Hardcover, die 19 blauen Bilder im Innern, die von der Autorin selbst stammen. Alle fünf Gedichte im Buch sind auf blauem Untergrund mit weißer Schrift gedruckt (vom letzten, dem fünfseitigen Langgedicht Tropfen auf der Scheibe allerdings nur die erste Seite). Gleichermaßen die jeweils ersten Seiten der sechs Prosatexte. Blau soll ins Auge springen, noch bevor man eine einzige Zeile der Texte gelesen hat. Ein handwerklich hervorragend gemachtes, solides blaues Buch. (mehr …)

[LiSe 09/23] SUSAN SONTAG for ever

Michael Krüger erinnert sich an die kluge Essayistin, die es großartig verstand, Intellektualität zu inszenieren. In diesem Jahr wäre sie 90 Jahre alt geworden.

Von Katrin Diehl

Sagen wir es einmal so: Wer etwas über Susan Sontag wissen will, ist bei Michael Krüger ganz sicher nicht an der falschen Adresse. Hier in München über Jahrzehnte lang Verlagsleiter von Hanser war er ihre Anlaufstelle in Deutschland, war ihr Verleger in Germany. Und wenn man jemandes Verleger ist, ist man ja immer viel mehr als jemandes Verleger. Man kriegt dann Einblicke, lernt den Autor, die Autorin jenseits der Texte kennen, versteht, wie das Gegenüber tickt, bekommt – wie im Falle von Susan Sontag – viel Zigarettenrauch vors Gesicht geblasen und weiß das zu nehmen. „Wir waren eigentlich ziemlich schnell befreundet“, erinnert sich Michael Krüger, was zum einen daran gelegen habe, so berichtet er weiter, dass Sontag sein echtes Interesse an ihren Essays und was in denen verhandelt wurde, gespürt habe. (mehr …)

[LiSe 09/23] Kolumne: Matrjoschka

Es war einmal ein Kulturzentrum, das stand an einem garstigen Steig. Weil es aber so protzig und klobig war, hat es nie jemand so richtig liebgewonnen. Nach kaum 40 Jahren war es vom ständigen Benutzen und Bespielen so schwach geworden, dass die Stadtmütter und -väter beschlossen, es solle eine Kur bekommen. Sie legten einen Zeitplan für die Reha fest. Und so flohen die ansässigen Institutionen aus dem Kulturzentrum, eine jede in eine andere Richtung. (mehr …)

[LiSe 09/23] Lyrische Kostprobe „Gedichte sollten einfach sein“

Frank Schmitter kam 1957 in Krefeld zur Welt. In seinem Berufsleben war er Bibliothekar – im Juli dieses Jahres ging er in Pension. Seit 1999 wurde seine Lyrik und Prosa in Zeitschriften und Anthologien veröffentlicht. Vier Kriminalromane sowie drei Lyrikbände und eine Novelle erschienen in der Lyrikedition 2000 im Münchner Allitera-Verlag und in der edition offenes feld, Dortmund. (mehr …)

[LiSe 09/23] Kurzgeschichte: Breakdancer, TU-Mensa

Von Tiny Stricker

In einer anderen Jahreszeit, die jetzt anscheinend schon weit zurückliegt, sah ich einmal zwei Breakdancer am Eingang der TU-Mensa beim Üben. Der Schauplatz war sehr gut gewählt: Zwei Stufen führen hinauf zu einer Art Vorhalle mit Säulen, es hat etwas von einer weiten Bühne, erinnert auch abstrakt an eine Tempelfront. Alles ist eckig, nüchtern, rechtwinklig, technisch hier, die Säulen aus Beton, die Bodenplatten, Lamellen an der Decke. Sogar der CD-Spieler, den die beiden dabeihatten, fügte sich nahtlos ein: ein längliches, tönendes Vierkantstück mit Tragegriffen für den Zug durch das Ghetto. (mehr …)

[LiSe 09/23] Schreibwerkstatt: Geschichte inspiriert

Im Staatlichen Museum Ägyptischer Kunst (SMÄK) steckt jede Menge Stoff für Geschichten und Figuren. Es blickt in die Vergangenheit und erzählt dabei von unserer Gegenwart. Beantwortet Fragen und wirft zugleich neue auf. Gibt Impulse, schult das Beobachten – und bietet daher den besten Platz für kreatives Schreiben. Das SMÄK lädt fantasieliebende und schreibaffine Wortakrobat*innen ab dem Jugendalter zur „Schreibwerkstatt SMÄK“ in ihr Museum. (mehr …)