[LiSe 07/23] Empfehlungen der Redaktion – Bücher für den Sommerurlaub

Ein paar Nächte

Von Michael Berwanger

Der 35-jährige Holzbildhauer Ben wohnt mit seiner 12-jährigen Tochter Mia in einem ehemaligen Bauernhof. Immer samstags kommt eine Mittelschul-Klasse aus der benachbarten Kleinstadt zum Unterricht, was für Ben Freude und Herausforderung zugleich ist. Als sein Vater plötzlich an einem Freitagabend auftaucht, um „nur für ein paar Nächte“ bei ihm Unterschlupf zu finden – ein amouröses Abenteuer mit einer Kollegin hat seine Ehe aus dem Gleichgewicht gebracht – gerät Bens wackeliger Alltag aus dem Tritt. (mehr …)

[LiSe 06/23] „I want to share“

Die bildende Künstlerin Ella Ponizovsky Bergelson bringt Poesie auf die Wände des Pathos-Theaters

Von Katrin Diehl

ort: kreativquartier an der Dachauer Straße. Genauer: vorm Pathos. Es ist kalt, es ist nass, es ist Mitte April. Die bildende Künstlerin Ella Ponizovsky Bergelson mit schwarzer Wollmütze und schwerer Lederjacke ist dabei mit einer schmatzenden Farbrolle am ausgefahrenen Stiel, eine Außenwand des Pathos-Theaters Bahn für Bahn schwarz abzudecken, wodurch auch der „PATHOS“-Schriftzug – rauf, runter, rauf, runter – so allmählich verschwindet. Ein Auto nähert sich, hält an. Der Fahrer, junger Mann mit Baseball Cap, lässt die Scheibe runter und will es wissen: „Was passiert’n hier? Verschwindet das Pathos? Also. Nicht gut. Nicht gut. Ich will eigentlich, dass alles so bleibt wie es ist.“  Das Pathos wird bleiben, kann man ihm versichern. Die Wände werden halt neu gestaltet … „Hm, hm“, sagt der junge Mann so halb überzeugt und fährt weiter. Was war das denn jetzt? Jedenfalls ziemlich schräges Theater. Ella fährt mit der Rolle durch die flache Farbwanne, sagt, „let’s go on“ und „nichts bleibt, wie es ist“ und macht weiter. Dann lacht sie. „Vielleicht gefällt’s ja keinem, was ich hier mache, und morgen ist es wieder weg. I don’t know.“ Wandbilder und überhaupt Mauern seien etwas Temporäres, fügt sie hinzu, und dass das genau das wäre, was sie an ihnen möge, auch weil sie das von Monumenten unterscheide. (mehr …)

[LiSe 06/23] Kolumne: Über die Autorität der Autorin

in der welt des fiktionalen Romans obliegt der Autorin eine enorme Autorität. Sie schafft eine komplette Welt für ihre Leser*innen, erschreibt neue Freunde und Familie. Wie eine Göttin sitzt sie an ihrem Schreibtisch und entscheidet über das Schicksal der Charaktere, wer gut ist, wer böse, wer leidet und wer sich freut. Wann das Ende kommt. Und wie. Ich als Leserin muss mich vertrauensvoll in ihre Hände geben, dass der Werdegang des Buches so verläuft wie er … muss? (mehr …)

[LiSe 06/23] Lyrische Veranstaltung: LYRIK GEHT WEITER

Ein großes Fest der Poesie zum 30-jährigen Bestehen des Black Ink Verlags. Live-Festival mit Jürgen Bulla, Birgit Merk, Armin Steigenberger u. a.

1993 gründeten Nikolai Vogel und Kilian Fitzpatrick ihren Verlag, da waren sie noch Studenten. Im Black Ink Verlag war vieles von Anfang an anders, und Ziel war es, Texte machen zu können, die sonst im etwas starren Verlagswesen keinen Platz in einem Buch gefunden hätten. (mehr …)

[LiSe 06/23] Jung und schreibend (Folge 20): Slata Roschals magische Sprache

Von Sevda Cakir

Slata Roschals Debütroman „153 formen des nichtseins“ ist wie eine True-Story-Serie, die die Rezipient*innen fest im Griff hat. Die 153 Folgen über das Leben von Ksenia Lindau wirken lange nach. Vielleicht, weil die Schilderungen der Protagonistin über ihre Identitätsbildung schonungslos und ehrlich sind. Sie müssen verdaut werden. Komalesen ist deswegen nur unter Vorbehalt zu empfehlen, wenn Fans wissen wollen, wie es weitergeht. Die Episoden sind in Form und Inhalt unterschiedlich erzählt, wie z. B. in Flashbacks oder als eine Überlebensstrategie in schwierigen Gefühlssituationen – sie könnten Triggerwarnungen enthalten: Von bodenlos ermunternder Frechheit bis zu Missbrauchsandeutungen. (mehr …)

[LiSe 06/23] Buchtipps aus erster Hand

Die Mitarbeiter*innen der Münchner Stadtbibliotheken empfehlen für den Monat Juni diese Neuerscheinungen:

Arnold Stadler: Irgendwo. Aber am Meer
S. Fischer

Ein namenloser Schriftsteller erzählt von seiner Lesung auf Schloss Sayn, die für ihn zum Fiasko wird, denn das Publikum will viel mehr von seiner persönlichen Einstellung zu aktuellen Themen erfahren als von seinem literarischen Werk. Und so bricht er kurzentschlossen zu seinem Sehnsuchtsort auf … Klimakrise, Krieg und Armut, sind die Themen, die ihn auf seiner langen Autofahrt nach Griechenland in Gedanken und Erinnerungen begleiten. Arnold Stadler lässt immer wieder biografische Aspekte einfließen, dabei nicht ohne Optimismus. (mehr …)

[LiSe 06/23] Kurzgeschichte: Mobilität

Von Ulrich Schäfer-Newiger

wo sind wir hier, Charlie? Das habe ich dir schon zweimal gesagt. Schluss jetzt. Hab’s wieder vergessen. Also sag’s! Nein! Doch sag’s! Nein! Sag’s jetzt! Auf einer Fußgängerbrücke über der Autobahn! Behalt dir’s jetzt, ich erklär’s nicht nochmal. Charlie, komm mal her. Sieh dir das an. Was denn? Da. Unter uns. Die Autos. Ja was? Es sind so viele. Ich kann sie gar nicht zählen. Ich auch nicht. (mehr …)

[LiSe 06/23] Rezension: Den Krieg erzählen

Ulrike Draesners neuer Roman „Die Verwandelten“

Von Ursula Sautmann

ein schweres buch, das wir unseren Leserinnen und Lesern hier empfehlen. Auf 600 Seiten geht es in „Die Verwandelten“ um Krieg und Gewalt, um Flucht und Vertreibung über das gesamte letzte Jahrhundert hinweg bis in die Gegenwart. Der neue Roman von Ulrike Draesner handelt ausschließlich von Frauen, deren Leben in Polen und in Deutschland im Laufe des Buches und über drei Generationen hinweg zusammengeführt werden. (mehr …)