by LiSe | 2. Okt. 2022 | Blog, Rezension & Buchempfehlungen
Mit fröhlichem Spott und beißender Ironie zeichnete Wolfram Hirche die teilweise absurden, teilweise lustigen Seiten des Literaturbetriebs nach. Über zehn Jahre lang erschienen seine Glossen links neben dem Auf-macher des Blattes, das Sie gerade lesen. Nun sind knapp 90 seiner Texte in einem Band vereint.
Wolfram Hirche schreibt nicht nur satirische Glossen und Kolumnen, sondern auch Lyrik und Kurzgeschichten. Er war viele Jahre lang erster Vorsitzender des Münchner Literaturbüros. Red
Wolfram Hirche: Spottlichter. Die Kolumnen aus den „LiteraturSeiten München“ 2010 bis 2021
Verlag p.machinery, 2022
Paperback: 13,90 Euro
Hardcover: 16,90 Euro
by LiSe | 2. Okt. 2022 | Blog, Kurzgeschichte
Von Walter Brusa
Mein Schlafzimmer ist klein und unveränderlich. Ein Bett, ein Bücherschrank, wahrscheinlich noch ein paar Kleinmöbel, ich weiß es nicht, denn morgens, wenn ich aufstehe, mich im Dunkel oder Halbdunkel mühsam aus dem Bett wälze, sehe ich nichts, nicht nur, weil die Nacht sowohl noch mich selbst als auch das Zimmer umfängt, sondern auch weil Augenlicht und Geist erst ungefähr eine Minute benötigen, um dem zu Unzeiten sich erhebenden Körper zu folgen und sich zu entfalten. Nachts, wenn ich mich zu Bett begebe, ist es dunkel und ich sehe nichts. Ich bewege mich mit der Sicherheit eines Blinden auf den zwei, drei Metern, die Augen haben sich noch nicht an das Dunkel gewöhnt. Ich möchte nichts darauf verwetten, dass nicht irgendjemand eines der Schränkchen entwendet und verkauft hat. Ich sage „irgendjemand“, denn ich wüsste nicht wer, lebe ich doch seit Jahr und Tag allein. So gehe ich denn davon aus, dass sich dieses Zimmer nicht verändert, so wie auch mein einziges Motiv, es aufzusuchen, sich nicht ändert. (mehr …)
by LiSe | 2. Okt. 2022 | Blog, Rezension & Buchempfehlungen
Ulrike Draesners neuer Roman aus dem Umfeld des Olympia-Attentats 1972
Von Stefanie Bürgers
Katja, Journalistin, Anfang 40, steht in der Münchner U-Bahn. Sie will Max anrufen, doch das fällt ihr schwer. Das Gespräch mit Max beginnt abgehackt, holprig. Man ahnt, dass Katja in Max’ Schuld steht wegen eines massiven Vertrauensbruchs in Teenagertagen. In Rückblenden – oftmals wie Gedankensprünge eingeführt – ergeben Katjas Erinnerungen für den Leser, die Leserin nach und nach ein Bild.
Als Halbwaise ist Katja in den 1960iger Jahren bei ihrem Vater in engem Kontakt zu den Großeltern aufgewachsen und kämpft mit dem frühen Verlust der Mutter. Sie verhält sich launisch, lässt ihren unkontrollierten Gefühlen Lauf, quält die eigene Katze. (mehr …)
by LiSe | 24. Sep. 2022 | Blog, Vermischtes
Am 30. September fällt im Literaturhaus München der Startschuss zum Krimi-Herbst 2022. Charlotte Link, Deutschlands erfolgreichste Krimi-Autorin mit über 32 Millionen verkauften Büchern, feiert die offizielle Buchpremiere ihres neuen Romans “Einsame Nacht” – Der 4. Fall für Scotland-Yard-Ermittlerin Kate Linville um einen völlig undurchsichtigen Mordfall in den abgelegenen North York Moors. (mehr …)
by LiSe | 5. Sep. 2022 | Blog, Titelgeschichte
München feiert 50 Jahre Olympiade und sich selbst, stolz auf die demonstrative Weltoffenheit und die farbenfrohen Spiele. Dabei stellt sich durchaus die Frage, was es da überhaupt zu feiern gibt. Der palästinensische Anschlag mit am Ende elf toten israelischen Athleten und einem toten bayerischen Polizisten zerstörte jede Illusion und begrub den Wunsch auf Verdrängung. Dazu kamen dann noch ein paar weiter dunkle Flecken.
Von Michael Berwanger
Es ist wenig erstaunlich, dass man zu diesem Jubiläum fast überall in München über die „Spiele 72“ stolpert. Ausstellungen finden sich – unter anderem – in der Staatsbibliothek, im Olympiapark, in der Pinakothek der Moderne, im Kunstareal und im Münchner Stadtmuseum, die gleich zwei Ausstellungskonzepte anbieten – innerhalb des Hauses und außerhalb, in Form einer „Spurensuche“. (mehr …)
by LiSe | 5. Sep. 2022 | Blog, Kolumne
Träume nerven. Also, Träume in der Literatur. Zumal die Zeit für Traumpassagen biblischen Ausmaßes vorüber ist. Die waren ja damals geradezu existenziell und richtungsweisend für alles, was da noch kommen sollte. Man denke nur an den Träumer Josef und die sich verbeugenden Garben, aber auch der Pharao träumte ja recht vielsagend von den sieben fetten Kühen, die aus dem Nil gestiegen kamen, und dann kamen noch die sieben mageren, und die mageren haben die fetten gefressen, ohne dabei – und das hat Bedeutung – selbst ein Gramm Fett zuzulegen … Pah! Auch Jakobs Traum von der Leiter, Engel rauf, Engel runter und das immer wieder, ist nicht ohne. Abgesehen davon, dass diese Träume die Zukunft vorausgesagt und also dafür gesorgt haben, dass man sich zum Beispiel auf eine Hungerkatastrophe vorbereiten konnte, haben sie Menschen wie Josef, Jakob … wirklich groß rausgebracht. (mehr …)
by LiSe | 5. Sep. 2022 | Blog, Lyrische Kostprobe
Franz J. Herrmann, der über zehn Jahre das Literaturblatt der Stadt München als Redakteur betreute – es handelt sich hier um den Vorläufer der Literaturseiten -, legt mit den Adamsmasken bereits seinen fünften Gedichtband vor, den er als Corana-Konzept-Album zu lesen empfiehlt. Sein Kinderbuch „Caspar, Melchior & Balthasar fliegen ins Morgenland“ stand auf der Short List des Rattenfänger-Literaturpreises der Stadt Hameln. In der Kurzbiographie seiner Adamsmasken wird darauf verwiesen, dass er noch zahlreiche Manuskripte in Petto habe, die auf mutige Verlage setzten. So man ihn fragen würde, warum er schreibe – tja, wer frägt eigentlich einen Fliesenleger danach, warum er Fliesen lege und keine Fliegen fange? (mehr …)
by LiSe | 5. Sep. 2022 | Blog, Vermischtes
Ines Frieda Försterling über die Kraft der Gedichte
Von Marie Türcke
Freitag, 36 Grad in Wien, die Hitze steigt zu Kopf.
Die Umstände ihres ersten Gedichts erinnert Ines Frieda Försterling gut: „Als Jugendliche habe ich das Gewicht der Welt plötzlich sehr stark gespürt. Aus der Schule kannte ich Gedichte und an einem Nachmittag als mich alles überfordert hat, dachte ich, ich versuche mal meine Gefühle aufs Papier zu bringen. Danach habe ich mich gleich leichter gefühlt. So entstand mit 13 mein erstes Gedicht und seitdem habe ich nicht mehr aufgehört zu schreiben.“ (mehr …)