Stadt zeichnet Friedrich Ani mit dem Literaturpreis 2026 aus

Der Schriftsteller Friedrich Ani wird mit dem Literaturpreis der Landeshauptstadt München 2026 ausgezeichnet. Der mit 10.000 Euro dotierte Preis wird, alternierend mit dem Publizistik- und Übersetzungspreis, alle drei Jahre für ein herausragendes literarisches Gesamtwerk vergeben. Ausgezeichnet werden Schriftsteller*innen, deren Werke in Stil und Gehalt hohe Qualität aufweisen und München als Literaturstadt Geltung und Ansehen verschaffen. Zur Verleihung am Dienstag, 14. Juli, sprechen Stadträtin Anne Hübner (SPD-Stadtratsfraktion) in Vertretung des Oberbürgermeisters und Kulturreferent Marek Wiechers. Die Laudatio hält der Literaturkritiker und Publizist Thomas Wörtche. Die Veranstaltung findet mit geladenen Gästen statt. (mehr …)

[LiSe 07-08/26] „Was liest du denn da?“ (Folge 6) Ein Toter, vier Verdächtige …

Von Ursula Sautmann

Spätabends auf dem S-Bahnhof am Marienplatz, hinter mir liegt ein erbauliches Konzert, vor mir eine meist wenig erbauliche Heimfahrt. Ich muss warten und finde einen Sitzplatz neben einem jungen Mann, grauer Hoodie, weite Jeans, Sporttasche. Er ist vertieft, so vertieft, dass er den Blick nicht lösen kann. Das Buch liegt auf seinen Knien, er sitzt so tief gebeugt, dass ich unmöglich auch nur eine Ecke des Buches sehen kann. Endlich, er schaut kurz auf, ich kurz um die Ecke: „One of us is lying“, lese ich. Mein erster Gedanke: Oh Schreck, Englisch! Ich sollte nicht so schreckhaft sein. (mehr …)

[LiSe 06/26] „Was liest du denn da?“ (Folge 5)

Wenn Bären nicht schlafen können

Von Michael Berwanger

ich war wieder einmal in Leipzig. Ich bin gern in Leipzig. Die Stadt ist nicht so totsaniert wie die meisten Städte im Westen unserer Republik. Es gibt noch Freiräume für Gestaltung und – zumindest zum Teil – eine Wohnraumpolitik, die der Idee einer Selbstverwaltung sehr nahekommt. Die Stadtgesellschaft ist bunt: Bürgertum trifft auf Arbeiterproletariat trifft auf Queere Community. Der Anteil rechtsnationaler Kreise ist für Sachsen vergleichsweise überschaubar, der Zuzug allerdings massiv. Leider wird in ein paar Jahren die Gentrifizierung auch in dieser Stadt die (Miet-)Preise in die Höhe getrieben haben. Noch aber gibt es verwuschelte Stadtteile mit angenehm unprätentiösem Alltagsleben. (mehr …)

[LiSe 06/26] Lyrik „katalog der kataloge“

Eine Buchpremiere der besonderen Art

Der katalog der kataloge ist ein Doppelband mit spielerischer Anordnung der Dinge und poetischem Zugriff auf die Welt. Der Autor und Verleger Tristan Marquardt und der Zeichner Andreas Töpfer legen damit ein Projekt vor, das in mehr als einem Jahrzehnt gewachsen war: etwa 40 „Kataloge“ mit poetischen Definitionen zu Erscheinungsformen diverser Phänomene wie Schatten, Tunneln, Griff, Freundschaft, Angst – aber auch mit im Alltag kaum gebräuchlichen Wörtern. Töpfers Zeichnungen entwickeln dazu Eigendynamiken und Fortspinnungen von Marquardts sprachlichem Ansatz im visuellen Medium. (mehr …)

[LiSe 06/26] Rezension: Sprachreise(n)

Volha Hapeyevas Suche nach einem Halt in/an Wörtern

Von Ursula Sautmann

in „wörterbuch einer Nomadin“ nimmt Volha Hapeyeva uns mit auf eine Reise ohne Zielort, Ankunft, Ende. Die belarusische (in ihrer Schreibweise) Autorin hat viele Länder bereist: Kirgisien und Dagestan, Ukraine und Irland, Japan, England und Österreich. Und sie hat sich in viele Sprachen eingearbeitet, versenkt, und dabei Sprachmuster und Wortschöpfungen gefunden, die erstaunen, begeistern und die Fantasie beflügeln. Es sind die ganz „kleinen“ Beobachtungen, die bezaubern. Gleich zu Anfang seziert Volha Hapeyeva das Wort „Nebel“ im Japanischen, im Belarusischen, im Deutschen und stellt fest: „Je weiter man nach Osten kommt, desto nebliger wird es.“ Wir sind angefixt, tauchen mit der Autorin in die Tiefen der Sprachen und suchen Halt. (mehr …)