Roman Hallers Biografie zeigt das München der Nachkriegszeit

Von Stefanie Bürgers

Roman Haller wurde im Mai 1944 – versteckt in einem Bunker im damaligen Ostpolen – als Kind jüdischer Eltern geboren. Seine Geschichte kann er nur erzählen, weil damals zwei überaus couragierte Menschen die Eltern zusammen mit einer vom Massenmord bedrohten zehnköpfigen Gruppe heimlich aus dem jüdischen Ghetto in Tarnopol geschleust und in einem Versteck versorgt hatten.

Eigentlich sollten seine Eltern zum Zeitpunkt seiner Geburt gar nicht mehr leben, denn die Liquidation des Ghettos stand kurz bevor. Als die Geburt nahte, war das Leben von Roman erneut bedroht, denn als schreiender Säugling hätte er die Gruppe verraten können und es wurde erwogen, das Kind zu ersticken. Doch durch das Vorrücken der roten Armee kam Hoffnung auf Zukunft auf und das Kind durfte leben.

Die nach der Befreiung zunächst empfundene Erleichterung, überlebt zu haben, hielt nur kurz an. Bald erfuhren die Eltern, dass die gesamte Familie des Vaters durch den Holocaust ausgelöscht worden war. Man peilte Amerika an. Um an die dafür notwendigen Visa zu kommen, zog die Familie in die US-Besatzungszone nach Bayern.

Doch das Zuhause auf Zeit wurde eines von Dauer. Roman, der von Kindesbeinen an bayerisch sprach, wurde stolzes jüngstes Mitglied der „Ostbahnhofblos’n“ und spielte mit den Freunden aus dieser Kinderbande auf der Brache rund um den Bahnhof. München wurde so auf natürliche Weise zu seiner Heimat. Nicht so leicht war es für seine Eltern. Humorvoll beschreibt Haller, wie sich seine Eltern, die untereinander jiddisch sprachen, in skurrile Missverständnisse verstrickten. Als endlich die ersehnten Visa für die USA vorlagen, blieb die Familie. Ein weiterer Abschied und Neubeginn er-schien ihnen zu mühevoll.

Haller, heute Geschäftsmann und Mitglied der jüdischen Gemeinde in München, hat die Grausamkeiten der Shoah nicht bewusst erlebt, aber er trägt daran. Regelmäßig erfasse ihn Beklemmung, wenn er von Verschütteten erfahre. Man habe ihm, kaum geboren, wohl öfter den Mund zugehalten, damit sein Weinen nicht die versteckte Gruppe verrate, mutmaßt er.

Es ist bedrückend, sich vorzustellen, dass Roman Haller sein zweifach gewonnenes Leben angesichts eines wachsenden Antisemitismus erneut bedroht sieht. Doch er glaubt an eine bessere Zukunft für Deutschland und an eine Gesellschaft, die Verantwortung übernimmt. Hallers Biographie ist ein bewegendes Zeitzeugnis, das zudem verfilmt und am Broadway auf die Bühne gebracht worden ist.

Roman Haller: Vom Überleben ins Leben
Hardcover, 144 Seiten
Allitera Verlag, München 2025
20 Euro