Harald Albrecht, geboren 1955, schreibt seine Lyrik „im Bewusstsein, dass vor allem die Sprache unsere Wahrnehmung beeinflusst, wenn nicht gar formt“, so der Essayist Jürgen Brôcan. Die Sprache der Gedichte und deren strenge Form sollen Ordnung schaffen in einer unübersichtlichen, sich in dauerndem Wandel befindlichen Welt – nicht von ungefähr wird die „Kunst der Fuge“ aufgegriffen. Inhaltlich spannt die Lyrik Albrechts dabei einen weiten Bogen, der Kulturen und Religionen verbindet – von Oberammergau bis zur Rose von Jericho. Der Unternehmer, Verleger und Lyriker Harald Albrecht lebt mit seiner Familie in München.
Rose von Jericho
Neuschnee heute, der geschmeidigen Raumzeit Feierkleid. Da
trug ich Neue Welt (Hoodies und freie Liebe und Rock ’n’ roll)
und erkannte die, die ich kannte.
Schmiegetat, die Empfängnis ist.
Eine Seele ballt sich ins Ihrige.
Und rollt, weils der Wind will.
Um die Mauern von Jericho.
Die Seelen wandern.
Die Stadt fällt.
Schnee ist gefallen, das Feierkleid.
Mein Hoodie auch. Wie Eiswein rauhgereift
schmeckte der erste Kuss.
Ich hab’ ihn nicht vergessen,
den unvergesslichen, den taugewordenen
Himmel auf warmer Haut.
Harald Albrecht: Kummer ist die kälteste der Saaten
Gedichte, Hardcover, 104 Seiten, Aphaia Verlag, München 2026
18 Euro
