Deutscher Lesepreis 2017: Münchner Projekt nominiert

Die Kultur des Lesens erhalten und fördern – das ist das Ziel des Deutschen Lesepreises. Jedes Jahr werden dazu bundesweit herausragende Maßnahmen und Projekte ausgewählt und prämiert. Gute Chancen auf den Lesepreis hat heuer ein Projekt aus München: Die Sprechwerker und das Bildungslokal Neuperlach mit dem Projekt „Kinder als lebende Bücher erobern ihr Quartier“ stehen auf der Shortlist für den Deutschen Lesepreis 2017.

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[LiSe 09/17] Marmorbüsten und Gedenktafeln

Literarische Denkmäler – wie in München Dichter gewürdigt werden

Von Stefanie Bürgers

Dunkel, laut, schlechte Luft, zäh fließender Verkehr, flatternde und ab und an auch tote Tauben. Es wird kaum einen Münchner geben, der sie mit Literatur in Verbindung bringt, die Paul-Heyse-Unterführung. Die ganz überwiegende Mehrheit der Bevölkerung wird davon überzeugt sein, dass Paul Heyse ein berühmter und verdienter Ingenieur war. Weit gefehlt. Ein Schriftsteller war er, Nobelpreisträger. Seit Mai 1854 in München, förderte er durch seine kritischen Essays bekannte, doch noch wenig geschätzte Literaten wie Storm, Mörike, Hebbel, Grillparzer oder Turgenjew. 1910 wurde er als erster deutscher Dichter für sein Lebenswerk als Lyriker, Dramatiker, Romanschriftsteller und Novellen-Dichter mit dem Nobelpreis für Literatur geehrt. Seine Villa in der Luisenstraße in der Nähe des Lenbachhauses entging 2016 dem Abbruch. (mehr …)

[LiSe 09/17] Kolumne: Kopfstände

Sie müssten sich auf den Kopf stellen, um das lesen zu können. So wie der Österreicher Christian Felber. Literat – Sozialökonom – Reformer. Und Tanzakrobat. Er steht gerne auf dem Kopf. Man habe dann einen anderen Blick auf die Welt, sagt er. Zum Beispiel auf unsere westliche Wirtschaftsordnung. Anfang der Nullerjahre hat er den Begriff der „Gemeinwohlökonomie“ geprägt. Art. 151 der Bayerischen Verfassung: „Die gesamte wirtschaftliche Tätigkeit dient dem Gemeinwohl“. Einfach mal Gesetze beim Wort nehmen. Allerdings müsste dazu die Wirtschaft vom Kopf auf die Beine gestellt werden, denn die ist seit langem ganz verkehrt. Oder: Kopfstand machen wie Felber, um es richtig herum betrachten zu können. (mehr …)

[LiSe 09/17] Münchens literarische Orte (Folge 14)

Das Caveau – Ein literarisches Wohnzimmer in Schwabing

Von Ursula Sautmann

Man könnte ohne weiteres achtlos vorbeigehen am Schild neben der Einfahrt. „Atelier Caveau – Kunst, Literatur, Genuss. Konstantin Rüchardt und Cecily Garver“ steht da, in der Tengstraße 25, geschrieben: recht unscheinbar und im Juni garniert mit einer Ankündigung im DIN-A-4-Format. Edo Popovi´c, kroatischer Schriftsteller und Stipendiat der Villa Waldberta, liest in der Reihe „Prosa im Caveau“. Veranstalter sind Jürgen Bulla und Johan de Blank. (mehr …)

[LiSe 09/17] Lyrische Kostprobe

spiel mir das lied vom schafottschaf blut zerstäubt
als himbeerpulver am abendhimmel überm ehrenmal
drunter die dolden skelette des bärenklaus verkrallt
ins graue leuchtender taubendreck wie grobe
brocken von feindschnee auf bronze schrei mir
von helden + herkunft ein lied das trügt bis es trägt
deiner ahnen gewicht ich hab nur das malmen
des kiefers geerbt den man meinem großvater
wegschoss ins russische jede wortformung seitdem
ein phantom schmerz doch hab ich dich moskau +
deine aufschneiende schönheit gesehn die flocken so
zärtlich hebt niemand sie auf mit den wimpern

Axel Görlach

[LiSe 09/17] Ausstellung: Russland und die Revolution

Dichter der russischen Revolution – Leben, Träume, Dramen“. Eine literarische Reihe, die MIR e.V., das Zentrum russischer Kultur in München, anlässlich des 100. Jahrestags der russischen Revolution am 24. und 25. September veranstaltet. In Russland waren Literatur und Politik schon immer eng miteinander verbunden; die Dichter waren weit mehr als im Westen das Gewissen der Nation. Schon Alexander Sumarokow, der den Beginn von russischer Literatur, russischer Dramaturgie und russischer Bühnenkunst einläutete, musste in diesem Zusammenhang leidvolle Erfahrungen hinnehmen.

Ort der Veranstaltung: Gasteig, Carl-Amery-Saal, Rosenheimer Str. 5, München
Festivalkarte pro Tag: 10/5 €

[LiSe 09/17] Straßenfest: Corso Leopold

Der Corso Leopold, das beliebte Straßenfest zwischen Georgenstraße und Münchner Freiheit, ist ohne die Literaturbühne fast nicht zu denken. Wieder hat sie sich direkt vor der Buchhandlung Lehmkuhl platziert und wartet am 9. und 10. September mit einem abwechslungsreichen Programm aus Literatur, Musik und Kabarett auf. Organisation und Moderation: Brigitta Rambeck.

Corso Leopold
9. und 10. September
Mehr unter: leo.corso-leopold.de

[LiSe 09/17] Kurzgeschichte: Der Hain des Tigers

Von Simon Gerhol

Das Dorf lag hinter einem als Acker genutzten Hügel. Mit seinen hellen Palisaden schmiegte es sich zwischen zwei Waldstücke, die dicht heranreichten und an manchen Stellen ihr Grün ins Innere streckten. Das Tor bestand nur aus einem schwenkbaren Verschlag und man trat direkt ins Zentrum: Ausgebleichtes Gehölz, regennasses Grau, ein steinerner Brunnen mit gelbem Reetdach, dessen Farbe sich auf der Handvoll Dächer der umstehenden Hütten wiederholte. Vereinzelte Feuer nassen Holzes qualmten und vernebelten den Blick in die bleichen Gesichter der Dutzend Bewohner, die ihn aus tief liegenden Augenhöhlen erwartungsvoll anstarrten. (mehr …)