[LiSe 05/17] Festival: Comic-Festival

Alle zwei Jahre wieder: Das nächste Comicfestival geht vom 25. bis 28. Mai wieder in München über die Bühne. Das vom Kulturreferat der Landeshauptstadt geförderte Festival besteht seit 2007 und wird im zweijährigen Wechsel mit dem Comic-Salon in Erlangen durchgeführt. Als Hauptlocation ist wieder die Alte Kongresshalle, direkt an der Oktoberfest-Wiese vorgesehen. Hier findet u. a. die große Messe mit allen Comic-Verlagen unter einem Dach statt. Außerdem gibt es hier Zeichenkurse und Signieraktionen,Vorträge und Ausstellungen. (mehr …)

[LiSe 05/17] Rezension: Es wurde Licht

Der Wahlmünchner McCarten widmet seinen Historienroman Thomas Alva Edison

Walker’s Cross, Michigan, 1929. Ein gebückter, alter Mann stiehlt sich aus einem Sonderzug, der ihm zu Ehren zu einem Jubiläumsempfang unterwegs ist nach Dearborn. Sein Luxusabteil ist abgedunkelt, und seine 18 Jahre jüngere Frau wacht darüber, dass er nicht gestört wird an diesem heißen, schwülen Sommertag: der berühmte Erfinder – Thomas Alva Edison. (mehr …)

[LiSe 04/17] Schöne neue Bücherwelt

Ein interdisziplinäres Symposion in München befasste sich mit der Zukunft der öffentlichen Bibliotheken.

Eine der schönsten Erinnerungen an Wim Wenders’ Film „Der Himmel über Berlin“ ist die Szene in der Bibliothek, die lesenden Menschen, das Lächeln, das über die Gesichter derer zieht, die die schweifenden Engel erkennen, vor allem aber das Wispern und Knistern, das Weben und Streben, das Rascheln, Zischeln und Flüstern – all die Geräusche, die einem den Aufenthalt im Lesesaal einer Bibliothek so lieb und wert machen. Es sieht so aus, als müsse man sich von dieser vertrauten Vorstellung verabschieden. Weil es im digitalen Zeitalter keine Bücher mehr gibt, jedenfalls keine, die man anfassen und in denen man blättern kann. Weil sich dann jeder seine Lektüre, wissenschaftliche oder unterhaltende, auf sein Laptop, Tablet oder Smartphone laden kann, und das überall, nur nicht unbedingt mehr in Lesesälen. (mehr …)

[LiSe 04/17] Kolumne: Sprachfasten

Schon im Wort „Fastenzeit“ schwingt Bedrohliches , denn heißt es nicht in der Bibel (Mat 4,1-11), der Herr habe 40 Tage in der Wüste gefastet und sei vom Teufel alias Satan „versucht“ worden? Mancher wüsste so gern, worin die Versuchung bestanden hat, neben Brotwunder und Machtverlockung – war es Magdalenen oder ein Schweinsbraten? Nun, eins ist erwiesen: Bei Meerschweinchen macht Fasten Sinn – sie leben einfach länger, wenn sie weniger fressen. Ob sie auch glücklicher sind, bedarf noch genauer Studien. Nur eins: Der Mensch ist kein Meerschwein, er isst es, und zwar je dicker desto lieber. Und was heißt schon „macht Sinn“? – Dieser Anglizismus sollte von Sprach-Ästheten mit größter Vorsicht gebraucht werden, zumal er völlig unnötig ist – ganz im Gegensatz zu jenem anderen, sehr verwandten, der sich vor zwei, drei Jahrzehnten hier einzuschleichen begann, dem „Liebe machen“, (make love, not war) von dem wir inzwischen allerdings schon länger nichts mehr gehört haben. (mehr …)

[LiSe 04/17] Wassermadl und Bäckermeister

Wassermadl und Bäckermeister
Das Café Luitpold – Treffpunkt von armen und reichen Poeten

Es ist warm, die Räume sind elektrisch erleuchtet, junge Mädchen schenken kostenlos Wasser aus – ein idealer Platz für arme Poeten. Sie ließen sich vor hundert Jahren sogar ihre Post herschicken. Die Adresse ist nobel: München, Brienner Str. 11, seit 1888 Domizil eines europaweit gerühmten Restaurants: Cafe Luitpold. In seinen glanzvoll ausgeschmückten Festsälen haben 1200 Gäste Platz. Schriftsteller fühlen sich hier wohl. So schreibt Hans Carossa über das Luitpold: „Ich schritt verhaltenen Schrittes durch diese heiligen Hallen, um die Göttinnen, die von den Gewölben lächelten, nicht zu stören“. 1944 wird der Luitpoldblock bei einem Luftangriff fast völlig zerstört, nur die Außenmauern bleiben stehen. An die glorreiche Vergangenheit erinnert seit 2004 ein kleines Museum – es soll Münchens kleinstes sein. (mehr …)

[LiSe 04/17] Lyrische Kostprobe

wir liegen da, erschöpft, geköpft
kein mund, der küsst und worte spuckt
kein auge, das in bildern zuckt ..
erst ohne kopf sind wir vollendet
scheints: ein fuchs im bau
zusammengerollt, hellrot und weich ..
die hundemeute, die sich still entfernt –

Carl-Christian Elze, aus:
diese kleinen, in der luft hängenden, bergpredigenden gebilde,
Verlagshaus Berlin, 2016

[Lise 04/17] Kurzgeschichte: Der Friedhof von Gstöding

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Heute ging ich wieder einmal mit einem leeren Setzkasten die Friedhofstreppe hinunter durchs Blumengeschäft ins dahinter gelegene Treibhaus, um dort Vergißmeinnichtpflänzchen zu besorgen. Ich wandelte an den Frühbeeten vorbei ins Treibhaus, das mit einem Strohdach bedeckt ist, den langen Mittelgang entlang, und ging durch das blumenüberfüllte Treibhaus hindurch; ganz hinten sah ich bereits den schwarzhaarigen, großäugigen Kopf der Blumenverkäuferin Linda, die meiner seit einigen Tagen vielleicht doch geharrt hatte. Sie zog mich, indem sie mir den Setzkasten aus der Hand nahm und auf einem Blumentisch abstellte, auf einen der im Eck des Treibhauses stehenden Torfmullballen hinab. (mehr …)