by LiSe | 29. Okt. 2018 | Blog, Vermischtes
Seit vier Jahren wird der Deutsche Buchhandlungspreis vergeben. Mit dem Preis werden inhabergeführte Buchhandlungen mit Sitz in Deutschland ausgezeichnet, die ein literarisches Sortiment oder ein kulturelles Veranstaltungsprogramm anbieten, die innovative Geschäftsmodelle verfolgen oder sich im Bereich der Lese- und Literaturförderung engagieren.
Eine der Preisträgerinnen ist in diesem Jahr die Buchhandlung Wilma Horne in Haidhausen. Da die Preisverleihung am 31. Oktober in Kassel stattfand, stand zu Redaktionsschluss noch nicht fest, in welcher Kategorie die Münchner Buchhandlung ausgezeichnet werden würde.
Die LiteraturSeiten München gratulieren Wilma Horne und ihrem Team zu dieser herausragenden Auszeichnung, die die Besonderheit der Buchhandlung am Bordeauxplatz unterstreicht. ber
by LiSe | 29. Okt. 2018 | Blog, Rezension & Buchempfehlungen
Susanne Röckels neuer Roman „Der Vogelgott“
Von Stefanie Bürgers
Kinder leiden an traumatischen Störungen, sie empfinden Flugzeuge als bedrohlich. Eine Sekte hat Zulauf, die einem grausamen Vogelgott huldigt. Mahner gelten als psychisch krank. Schwarze Vögel sind symbolhaft allgegenwärtig. Die Münchner Schriftstellerin Susanne Röckel schlägt mit ihrem neuen Roman „Der Vogelgott“, der gerade den Tukan-Preis erhalten hat, den Leser in ihren Bann. (mehr …)
by LiSe | 1. Okt. 2018 | Blog, Titelgeschichte
Vier Dichter, die die Welt verbessern wollten
Von Katrina Behrend Lesch
Karnevalsstadt der Weltenbeglücker“ – München hatte es nicht leicht in den turbulenten Tagen, Wochen und Monaten, als die Monarchie gestürzt und Bayern zum Freistaat wurde mit Kurt Eisner, einem Dichter, als Ministerpräsidenten. Noch verrückter ging es zu, als nach dessen Ermordung die Dichter Gustav Landauer, Erich Mühsam und Ernst Toller das Äußerste wagten und die Räterepublik Baiern etablierten. Selten hatten sich Schriftsteller und Literaten so aktiv an einer Revolution beteiligt wie an der vom 7./8. November 1918. Viele ließen sich von ihr mittragen, euphorisch bis ablehnend wie etwa Thomas Mann, der das Geschehen von seinem Kämmerlein aus kommentierte. Sein Bruder Heinrich unterstützte die Revolution, Oskar Maria Graf feierte sie mit Saufgelagen, Rainer Maria Rilke besuchte politische Veranstaltungen, Ret Marut, alias B. Traven, agierte als unsichtbarer Chefzensor, um nur einige zu nennen. Doch jene vier Dichter wollten mehr, wollten nicht nur von einer besseren Welt träumen, nutzten die Gunst der Stunde und griffen nach der Macht. (mehr …)
by LiSe | 1. Okt. 2018 | Blog, Kolumne
Die Fuckability wird in L. A. hoch geschätzt, wie wir gerade aus einem Interview mit Susanne Bormann gelernt haben – ja gut, die Dame kommt aus der Filmbranche und muss nicht jedermann geläufig sein, und das Besondere am literarischen Thomas-Mann-House und seinen Fellows in L. A. ist ja, dass jene F. keine Rolle spielen sollte, ganz im Gegenteil. Diese Villa, und das jetzt für Leser, die solche Dinge grad gar nicht „auf dem Schirm“ haben, ließ Thomas Mann anno ’42 bauen , und sie wurde vor zwei Jahren vom Deutschen Außenministerium für schlanke 15 Millionen $ gekauft – was mutig war vom ansonsten verdächtig superkorrekten F. W. Steinmeier. Sofort aber stellte sich die Frage, was machen wir jetzt damit, riesiges Haus, Garten, 3 Palmen, Pool, Balkon, San Remo Drive 1550, nahe Los Angeles? (mehr …)
by LiSe | 1. Okt. 2018 | Blog, Vermischtes
Vor Schiller den Hut ziehen
Das Schiller-Denkmal am Maximiliansplatz
Von Christine Erfurth
Friedrich von Schiller (1759–1805) hat Bayern weder bereist, noch persönlich am geistigen Leben in München teilgenommen. Eine tiefe kulturelle Kluft trennte den katholischen Süden vom protestantischen Norden. Die großen Dichterfürsten, Schiller und Goethe, verspotteten in ihren „Xenien“ (1797) das Kurfürstentum als Land der irdischen Freuden, das keinen Sinn für das geistig Schöne habe: „Donau in B[ayern]. Bacchus, der lustige, führt mich und Komus, der fette, durch reiche Triften, aber verschämt bleibt die Charis zurück.“ Das Interesse der Bayern und insbesondere ihrer Könige Ludwig I. und Ludwig II. an Schiller hingegen war groß. (mehr …)
by LiSe | 1. Okt. 2018 | Blog, Vermischtes
Die Buchhandlung Literabella in der Isabellastraße empfiehlt diese beiden Neuerscheinungen.
Olivier Guez: Das Verschwinden des Josef Mengele
Aufbau
Olivier Guez beschreibt die Fluchtetappen des berüchtigten Lagerarztes von Auschwitz. Ab 1949 in Argentinien gibt er sich herrisch und optimistisch und wird von einem Nazi-Netzwerk unterstützt und hofiert. Die 60er und 70er-Jahre in Paraguay und Brasilien sind zunehmend von Verbitterung, Verfolgungswahn, Einsamkeit und Krankheit geprägt. Bis zu seinem Unfalltod 1979 bleibt er ohne Reue, seine Verbrechen ungesühnt. Statt einer Biografie wählt Guez bewusst die Romanform, weil damit eine größere Breitenwirkung und so Aufklärung und Mahnung möglich sind. (mehr …)
by LiSe | 1. Okt. 2018 | Blog, Kurzgeschichte
Von Rudolf Freiberger
Wo bin ich? Wo ist sie?“ Er rieb sich den Schlaf aus den Augen, mit der Faust. „Aaaahhhch!“ quoll der erstickende Schrei aus ihm heraus, wie in dem ewig wiederkehrenden Traum ihm sämtliche Zähne aus dem Mund quollen – Hunderte von Zähnen, immer mehr herausfallende Zähne, bis er mit der Angst zu ersticken qualvoll wach wurde. „Mutter! Wo bist du?“ schrie es aus ihm. Die Nachbarn! Es ist mir scheißegal was die Vollidioten denken, in diesem verfluchten Wohnloch in Neuhausen. Ja, ich bin in Tot-Neuhausen, exiliert, fern dem einzigen Menschen, der mir auf dieser Welt geblieben ist. Und jeden Morgen dieselbe Angst! „Ich halte das nicht mehr aus!“ schrie er die dünnen Wände an. „Mutter! Lebst du noch?“ Nein – ich rufe jetzt nicht bei ihr im Saarland an – halb sechs Uhr früh – sie schläft noch. Und warum soll sie plötzlich nicht mehr leben? „Du Volldepp“ schrie er sich an. „Warum kannst du deine alte Mutter nicht einfach sterben lassen? In Frieden gehen lassen? So wie andere Leute auch.“ – Halb sechs – ich stehe auf und fahre sofort zu ihr. 460 Kilometer – in vier Stunden bin ich da. (mehr …)
by LiSe | 1. Okt. 2018 | Blog, Rezension & Buchempfehlungen
Das Glück in glücklosen Zeiten
Die geheime Liebesgeschichte meiner Eltern
Von Katrina Behrend Lesch
Es liegt immer an der Zeit, die vergehen muss, damit lang gehütete Familiengeheimnisse endlich gelüftet werden können. Dass da etwas ist, über das die Eltern nicht sprechen wollen, ahnen die Kinder, aber sie schweigen ebenfalls. Auch Halldis Engelhardt findet erst nach dem Tod ihrer Mutter den Mut, Nachforschungen zu betreiben. In ihrem Buch „Sieh dich nicht um!“ schreibt sie: „Es war spannend und bedrückend zugleich, denn es ergaben sich immer neue Fragen – Fragen, die nicht nur meine Eltern betrafen, sondern auch mich. Es erschien mir immer sonderbarer, dass ich dieses Spiel meiner Eltern mitgespielt hatte.“ (mehr …)