by LiSe | 30. Nov. 2016 | Blog, Lyrische Kostprobe
Gsellschafft
Zersd hone s selwagsaamde Hungateichl aafglegd,
do ham de Herrschafftn a Wal dro nogn kinna,
Naha hone ear, in meim bestn Scherm,
d Wossasubbn aafdrogn
aaf dea wöie ned daheargschwumma bi.
Eitz hams an Bron scho a weng grocha.
Mei Schweinsbron
is so apatitle gwen
wöi ausm Buldabeichl,
wal do honen a ausgschnin ghatt.
Gor ned noude hone Kneel austaalt
vo de oi, wöi ma ollawal
en Hois steckat bliebn hand
bols gor so gscheid dahear gredt ham.
Prost Mallzeit!
Unta Gsichda one Foa hone
Talarl gschom und dazou gsagd:
Do host dein Solod!
Aisa Zeigniss, dasa me auskenn e da Wölld
hone ear no an Pfifkaas voagsedzd.
Mid hoam hone ear,
sche eibabierld und mid am grean Mascherl,
a goidas Nixal gem.
Und zledzd mei Haus, mei Tiür vospeadt.
Katharina Bosˇnjak
by LiSe | 3. Nov. 2016 | Blog, Lyrische Kostprobe
vertrauen, dieses nachtlicht
kaufte ich von einer sehr alten dame.
sie hob die brauen: was, kein schlaf?
dein herz kommt wohl von schlechten vorbesitzern!
stimmt, dauernd wache ich auf und frage:
und die luft? wie kommen wir dazu
uns an ihr festzuhalten?
Birgit Kreipe
Aus: Soma. Gedichte. kookbooks 2016.
by LiSe | 29. Aug. 2016 | Blog, Lyrische Kostprobe
Voalezde Ölung
Mei Gschbusi hod se
Amoi ois Üwaraschung
In ira Schdudendnbude
Naggad eigöld ins Bedd
Gflaggd. Des hod mi so
Umdriem damois, dass i
Goa nimma eischlaffa
Hob kenna danoch, wei (mehr …)
by LiSe | 30. Juni 2016 | Blog, Lyrische Kostprobe
FLIESSEN LASSEN
ein kommen&gehen:
ein traum kommt zu mir
schiebt sich unter die decke
so gegen halbsieben geht
fremd mit dem wecker
später gehe ich zur kunst
wen treffe ich ganz zufällig?
ein bild von meinem traum
so war ich nicht seine erste:
ein kommen&gehen
Alma Larsen
by LiSe | 30. Mai 2016 | Blog, Lyrische Kostprobe
Politische Ruinen
Politische Ruinen zu besichtigen
kostet nicht viel, ist ein Leichtes.
Morgens drehst du das Radio auf.
Morgens holst du die Tageszeitung hoch.
Morgens gehst du kurz mal ins Internet.
Seltsamer noch: Je jünger die Herren,
Umso ruinöser erscheint dir ihre Rede.
Nicht mehr die Politik macht Karriere,
sondern ihre falschen Nachwuchsapologeten.
Verdunstete Inhalte, leidenschaftsloses
Gerede, am Parlamentarismus vorbei.
Verdummt diejenigen, die als ein Volk
zu bezeichnen, ein weiterer Ruin wäre.
Vormittags drehst du das Radio ab.
Vormittags entsorgst du Zeitung im Altpapier.
Vormittags bist du vorläufig offline.
Politische Ruinen zu besichtigen
kostet viel Zeit, beschwert das Herz.
Franz Josef Herrmann
by LiSe | 31. März 2016 | Blog, Lyrische Kostprobe
Sekunden-Bekanntschaft
Quer über die abendliche Piazza
rennt der Zweijährige auf mich zu
und drückt mir, dem Wildfremden
seinen zerschlissenen
Stoffhasen in die Hand –
Etwas starrt mich an:
nicht Mensch nicht Tier nicht Ding –
Etwas mit dem süßlich-verschwitzten
Geruch von Liebe –
Unbeseelt – doch Abglanz einer Seele –
die mir jetzt schon wieder
aus der Hand gerissen wird
Ludwig Steinherr
aus: Ludwig Steinherr, ELEFANT MIT OBELISK, Lyrikedition 2000,
Allitera Verlag, München, 2015