by LiSe | 30. März 2018 | Blog, Kurzgeschichte
Von Christoph Michels
dieses halbdunkel & niemand: leerraum – – & diese stunde in der nie irgendwas – – als es laut aus den boxen: „WOULDN’T IT BE GOOD TO BE ON YOUR SIDE“ & das lachen der barkeeper: irgendwo: in ihren schwarzen schürzen & dass alles irgendwie: weit – – – : das gewusel vor einem der türkenmärkte: VERDI: irgendwelche proleten: BMWs mit getönten scheiben – – ist es wie jedes bahnhofsviertel – – ist es: weit weg & langsam & nur dieses – – & „I GOT IT BAD – YOU DON’T KNOW HOW BAD I GOT IT“ : ist blau: zu rot – dann gelb: über das gewühl: über den asphalt: in die straße: in die späte sonne: in alles – – bis es zu ende – – & alles ist dann: laut: wieder verdichtet: ist es: autohupen: rollkoffer: eine frau in ihr handy brüllend, das in ihrem kopftuch steckt: eine zerspringende glasflasche: gedudel aus handylautsprechern – – reißt’s die augen in die fassade gegenüber: HOTEL PENSION ALPINA: schäbiges grün & offene fenster: vor grauen zimmern – andere: mit roten gardinen verhängt – eine eingezogene markise: vor sich hin gammelnd – ist es tot & auch die offenen fenster machen es nicht besser – – – im erdgeschoos: neonröhren – – wahrscheinlich die rezeption: die kahlen wände: irgendein hässliches bild: sonst nichts – – als einer ans fenster: – – : sich mit angezogenen beinen auf die fensterbank – seine hohe stirn: die grauen haare: wahrscheinlich der besitzer: zündet er sich eine kippe an: langsam: den rauch in die straße: über die vorbeigehenden: frauen mit kopftüchern: gemüsetüten schleppend – schreiende kinder – – asiatische touristen mit ihren kameras – ein junggesellenabschied: ihre dämlichen shirts: der eine im dirndl: gröhlend: bierdosen aneinanderhauend – – & der hotelbesitzer: immer noch: rauchend: ohne bewegung: überm gewusel – als ein kleiner junge: zu ihm auf die fensterbank: lachend mit einer plastikpistole: seifenblasen: in die sonne: in die fassade & wie sie langsam – – vorbei an einer taube: auf der markise – – vorbei an einem der offenen fenster: steht eine frau: ihre schwarzen haare: hochgesteckt: das durchsichtige shirt: ihr schwarzer bh: guckt sie in die straße: ohne die seifenblasen – ohne mich – – – als einer der barkeeper: „der negroni“ das glas auf den tisch – & „cheers“ – – & leises gedudel & die frau ist verschwunden & der raucher – & der junge: weg. (mehr …)
by LiSe | 30. März 2018 | Blog, Rezension & Buchempfehlungen
Lilian Lokes zweiter Roman „Auster und Klinge“
Wolfram Hirche
Erst am zweiten Roman, so meinte der Kritik-Papst Marcel Reich-Ranicki, entscheidet sich, ob ein Autor zum Schriftsteller taugt oder nicht. Die Münchner Autorin und PR-Beraterin Lilian Loke hat vor drei Jahren für ihren Erstling „Gold in den Straßen“ reichlich Lorbeeren geerntet und den Münchner Tukanpreis errungen. Während sie damals fleißig im Milieu der Häuser-Makler recherchiert hatte und ökonomisch kundig deren Geschäftsmodell aufs Korn nahm, nimmt sich ihr neuer Roman das Künstler- und Ganoven-Milieu vor. Er versucht es jedenfalls.Ernste, tiefe Recherche ist da freilich schwierig, denn wer kennt schon einen erfahrenen Einbrecher, der auch so richtig „auspackt“? (mehr …)
by LiSe | 3. März 2018 | Blog, Titelgeschichte
Politisch und provokant
1968, vor 50 Jahren, wurde Rainer Werner Fassbinders ganz besondere Art der Schauspielkunst geboren
Von Ursula Sautmann
Rainer Werner Fassbinders Filme sind berühmt. Seine einschlägigen und praktischen Erfahrungen mit Bühne und Schauspiel, mit Buch, Regie und Inszenierung, begannen aber im Theater. Hier legte er die Grundlagen für seinen eigenen Stil. Im August 1967 stieß Fassbinder zum Action-Theater, einem Off-Theater mit gut 50 Plätzen in der Müllerstraße. Dort saß er täglich im Zuschauerraum, unübersehbar. Ein Ensemblemitglied brach sich den Arm, Fassbinder bekam die Rolle. Wenig später wurde er Mit-Regisseur bei Büchners „Leonce und Lena“ und inszenierte schließlich im Dezember „Die Verbrecher“ von Ferdinand Bruckner. Die Süddeutsche Zeitung bezeichnete das Theater am 21. Dezember als „eine der lebendigsten unter den zahlreichen Münchner Privatbühnen“. (mehr …)
by LiSe | 3. März 2018 | Blog, Vermischtes
Während draußen Sodom herrscht und Gomorra, in der Dichterstube ist Stille. Der Diskurs der Geschlechter mag noch so hohe Wogen werfen, Film- Regisseure grapschen und vergewaltigen, Chor- und Ballettleiter bedrohen und verführen Minderjährige, Musikhochschulen kannste sowieso vergessen, die Theater sind Dorados für Tyrannen, in olympischen Trainingscamps werden Sportlerinnen nicht nur gedopt sondern oft auch sexuell genötigt – nur der Dichter entzieht sich dem zuchtlosen Treiben, huldigt Buch um Buch dem Alterseros, wie Martin Walser, oder wirft sich auf vergangene Schlachtfelder wie Ralf Rothmann und Arno Geiger. Manch einer betreibt sieben Tage gründlich Nabelschau wie Simon Strauss, der Sohn von Botho, der das ja auch glänzend beherrschte. (mehr …)
by LiSe | 3. März 2018 | Blog, Vermischtes
Zum 18. Mal findet heuer das internationale Literaturfestival „Wortspiele“ vom 7. März bis zum 9. März im Muffatwerk München statt. 30 junge deutschsprachige Autor*innen aus Deutschland, Österreich, Schweiz, Russland und dem Irak werden in diesem Jahr ihre neuen Bücher vorstellen. (mehr …)
by LiSe | 3. März 2018 | Blog, Titelgeschichte
Seiner Zeit weit voraus
Frank Wedekind und sein Brunnen / Todestag vor hundert Jahren
Von Stefanie Bürgers
Eine Bank unter lauschigen Bäumen im Halbrund nahe dem Brunnen. Das liebliche Lächeln der von Ferdinand Filler geschaffenen Brunnennymphe am Wedekindplatz in Schwabing lädt zum Verweilen. Von der abgründigen Tiefe, in die sie einen locken kann, ahnt man auf den ersten Blick nichts. Die sinnend an die Stirn gelegte Hand und die Schriftrolle weisen auf den Schriftsteller, die Lyra auf den Liedersänger, die Maske auf den Schauspieler Frank Wedekind. Artige Anerkennung eines viele Jahre abgelehnten Dichters. Die Deutung der Skulptur von 1959 meidet den Aufruhr, den Wedekind mit seinen Werken stets verursacht hat. Anatol Regnier, Enkel Wedekinds, damals 14 Jahre alt, erinnert sich an die Einweihungsfeier: Tribünen, der Theaterwissenschaftler Artur Kutscher war da, sogar das Fernsehen. Seine Mutter Pamela, die Tochter Wedekinds hat Wedekind-Lieder gesungen. (mehr …)
by LiSe | 3. März 2018 | Blog, Lyrische Kostprobe
Das muss doch mal vorbei sein, sagen die frisch Gebadeten, die exakt Gescheitelten. Die alten Speisewägen stünden doch auf dem Abstellgleis.
Liebhaber alter Dampfrösser frühstücken in ihren Modellbahnen, die sehnen sich nach Fahrten auf nostalgischen Routen, nähmen gerne die betagten Schlachtrösser aus den Schuppen, setzten sie unter Dampf.
Dann schnaubten Rösser quer durch die Republik.
Franz Oberhofer
by LiSe | 3. März 2018 | Blog, Vermischtes
Buchtipps aus erster Hand
Beate Krippendorf von der Buchhandlung am Wettersteinplatz hält diese beiden Romane für empfehlenswert. (mehr …)