[LiSe 02/17] Rezension: Ein Schmöker für die Ewigkeit

Die Monacensia ist wiedereröffnet – und damit deren neue Ausstellung „Literarisches München zur Zeit von Thomas Mann“. Zur besseren Orientierung und/oder zum Nachlesen ist jetzt im Pustet-Verlag der dazugehörige Katalog erschienen. Verfasserin ist Elisabeth Tworek, die Kennerin der bayerischen und Münchner Literaturszene schlechthin. Die Leiterin der Monacensia hat deren literarische Nachlässe gesichtet, Leben und Werk von SchriftstellerInnen wie etwa Frank Wedekind, Ludwig Thoma, Lena Christ, Annette Kolb oder der Familie Mann skizziert und dazu eine Fülle von Fotos, Briefen, Tagebuchnotizen etc. gestellt. Herausgekommen ist ein Schmöker für die Ewigkeit. (mehr …)

Symposium: Public! Die Stadt und ihre Bibliotheken

Pressemitteilung

SYMPOSIUM
Public! Die Stadt und ihre Bibliotheken
Debatte über Architektur und urbane Öffentlichkeit

23. – 24.  Februar 2017, 10 – 18 Uhr
Münchner Stadtbibliothek am Gasteig
Eintritt frei

Mehr Menschen, mehr Migration, mehr Gesellschaft: Die Internationalisierung der Städte ist eine der Ursachen für die Renaissance der öffentlichen Bibliotheken. In spektakulären Neubauten wie in Aarhus, Birmingham oder Stuttgart manifestiert sich deren Bedeutung als Stätten der Kultur, des Wissens und der Demokratie. Weitere Ursachen für die Renaissance sind die veränderte Lebenswirklichkeit durch die Digitalisierung, die Überschneidung des Privat- und Arbeitslebens sowie die Kommerzialisierung des öffentlichen Raumes, die die Bibliotheken als Treffpunkte wieder stark ins Bewusstsein rücken. (mehr …)

[LiSe 01/17] Monacensia wiedereröffnet

Ein Rundgang durch das neue Hildebrandhaus

Die wiedereröffnete Monacenisa betritt man am besten durch den Eingang Siebertstraße. Das bietet nicht nur die Möglichkeit, die Räumlichkeiten barrierefrei zu erreichen, sondern hat auch den Vorzug, dass auf diesem Weg die Innovationen, die sich aus der dreijährigen Generalsanierung ergeben haben, am deutlichsten sichtbar werden. Von hier aus begibt man sich in den neu errichteten Glasanbau, der dem ursprünglichen Gebäude vorgelagert und harmonisch in die historische Bausubstanz integriert ist. – Einen ähnliches Konzept ist bereits im neuen Lenbachhaus zur Anwendung gekommen. Aus dem Raum, der auf diese Weise entstanden ist und für ein Café genutzt wird, gelangt der Besucher sodann durch ein großes Tor, das im Rahmen des Umbaus wieder freigelegt wurde, in Adolf von Hildebrands ehemaliges Atelier. Das „Forum Atelier“, wie der Raum jetzt heißt, ist als Ort der Begegnung gedacht und bietet Platz für größere Veranstaltungen. An seinen Stirnseiten ist die Bibliothek des Thomas Mann-Freundes und -Forschers Peter de Mendelsohn aufgestellt. Dessen Bücher sind eine der wenigen im Besitz der Monacensia, die zukünftig nicht ausgeliehen werden können. Denn auch das gehört zu den großen Veränderungen, die die Neukonzeptionierung mit sich gebracht hat: Im Gegensatz zu früher ist die Monacensia fortan keine Präsenzbibliothek mehr; vielmehr können die meisten Bücher, die hier verwahrt werden, nach Hause ausgeliehen werden. Dafür notwendig ist lediglich ein gültiger Ausweis der Münchner Stadtbibliothek. (mehr …)

[LiSe 01/17] Kolumne: Mind the Gap!

Das lang ersehnte W-Fest vorüber, die Wohnzimmerteppiche noch übersät mit Geschenken, buntem Papier, Schnipseln und Scheren, blickt das magere Sein blass auf das wohlgenährte, anschwellende Haben. Im Konsumptiven alles in Ordnung! – Was wird das hier? Ein Hirtenbrief des asketischen Franziskus aus Rom? „Böser Konsumrausch“? Ach was, es gibt Schlimmeres. Den JRS zum Beispiel, den Jahresrückblicksschmerz! Was mussten wir im abgelaufenen Jahr an Schmerz ertragen, allein im Literarischen, und das alles wurde in den Medien zum Jahresende wie üblich nochmal in Rückblicken aufgetischt: Der Tod Umberto Ecos, die perfide Lüftung des Bestseller-Pseudonyms „Elena Ferrante“(„Meine geniale Freundin“), der Literatur-Nobelpreis für einen Mundharmonika spielenden Melancholiker oder auch die Verleihung des Deutschen Buchpreises für ein Werk Bodo Kirchhoffs („Widerfahrnis“), das an parfümiertem Altherren-Eros kaum zu übertreffen ist – der JRS wird uns noch eine ganze Weile verfolgen, auch wenn die Rückblicke selbst jetzt enden; die Druckstellen bleiben. (mehr …)

[LiSe 01/17] Münchens literarische Orte (Folge 7)

Untergegangene Welt
von Parish-Kostümbibliothek

Gediegenes Nymphenburg, ruhige Straße, Alleebäume, hellblau gestrichener Holzlattenzaun. Neun Stufen führen nach oben – und reinster Jugendstil empfängt den Besucher: Es ist die denkmalgeschützte Villa der Familie von Parish, das Domizil der Kostümbibliothek, eine Dependance des Münchner Stadtmuseums. Die Bibliothek umfasst 10 000 Bücher, 2000 Zeitschriftenbände, 13 000 Fotos, 27 000 Grafiken – und noch viel mehr: Der Besucher taucht ein in den Kosmos einer untergegangenen Welt. Im historischen Ambiente studieren hier Kostümbildner Details für ihre Operinszenierungen, Studenten der Mode- und Design-Akademie machen sich fit für eine Prüfung, Autoren werden fündig zu Themen jedweder Epoche oder Region. Eine überbordende Fundgrube ist die im Jahr 1901 errichtete Parish-Villa – eine Fundgrube für alle, die sich inspirieren lassen wollen. (mehr …)

[LiSe 01/17] Ansicht: Buch7.de, der soziale Online-Buchladen

Wie sieben Studenten auszogen, um die Welt zu verbessern.

Die Geschichte geht so. Da sitzen ein paar Freunde beieinander und wollen die Welt verbessern. Das Wirtschaftliche mit dem Sozialen verbinden, das schwebt ihnen vor. Endlich schält sich ein Projekt heraus, das nicht blauäugig ist, das sie für machbar halten. Ein Online-Buchhandel. Sie alle lesen gern, die Buchpreisbindung garantiert feste Gewinnspannen, das Buch ist ein wunderbares Produkt. Klingt schon mal gut, aber wo bleibt das Soziale? Genau das ist der Knackpunkt. Sie wollen kein Geld verdienen, sie wollen es spenden. 75 Prozent des Gewinns geht an den guten Zweck, nur den Rest teilen sie untereinander auf. Viele Menschen rümpfen ob so viel weltfremden Gutmenschentums die Nase. Die Weltverbesserer nennen es pragmatischen Idealismus. 2007 geht der Online-Shop ans Netz. (mehr …)

[LiSe 01/17] Lyrik-Rezension: Soma

Ein Gedichtband von Birgit Kreipe

Allen an Lyrik Interessierten sei der zweite Gedichtband von Birgit Kreipe empfohlen. Er heißt „Soma“, ist voriges Jahr im kookbooks-Verlag erschienen und enthält als erstes die auf zwei Zyklen aufgeteilten Sonette, mit denen die Autorin vor drei Jahren den Lyrikpreis München gewann. Die Form des Sonetts, lobten damals die Juroren, verwende Birgit Kreipe dazu, die Flut der auf sie einstürzenden Bilder zu dämmen. Der dritte Zyklus, „kinderheim“, offenbart in Langversen, die jedoch nie eine halbe Seite übersteigen, eine Nähe zum Rollengedicht, wobei das erste und das letzte Gedicht denselben Schlussvers haben: „aber ich bin doch längst ausgewandert! und die kinder auch!“ Die Gedichte haben eine Tendenz zur Teichoskopie, zur Mauerschau, die an sich dem Drama zugehört, und in der die Rollen von Sprecher und Angesprochenem strikt getrennt sind. (mehr …)