[LiSe 03/21] Rezension: Circus Krone – Glanz und Glamour und Zeitgeschichte

Von Ursula Sautmann

Tiere, Artisten und Clowns, das sind die drei Säulen, auf denen Circus Krone, ein Unternehmen der Unterhaltungsbranche, seit Jahrzehnten ruht. Es beginnt um 1850 mit Guckkastenbildern in einer Schaubude, Schießbude und Zauberkunststücken bei den Vorfahren der Familie Krone, Carl Krone sen. und Friederike Philadelphia aus Pennsylvania. Auch der folgenden „Afrikanischen Negerschau“ ist wenig Erfolg beschieden, man baut eine Wandermenagerie auf mit zwei Bären und zwei Wölfen.  Neue Tiere kommen hinzu, Hyäne, Affen, Lama und ein blinder Löwe, und schließlich, 1886, ein Elefant. Die Expansion des Familienunternehmens geht zügig weiter, Stationen sind ein Zelt mit 4.000 Sitzplätzen 1909, die Geburt des Namens Circus Krone 1914, die Eröffnung des ersten Festbaus in München 1919 und des dritten 1962. Erst mit dem Festbau beginnt also die Münchner Geschichte. (mehr …)

[LiSe 03/21] Rezension: Ein lückenloses expressionistisches Literatenleben

Alles über Leonhard Frank

Von Katrin Diehl

Das ist nicht einfach nur eine Biografie über Leonhard Frank. Es ist die Biografie. Was natürlich auch daran liegt, dass es bisher über den Schriftsteller noch nichts in dieser Richtung gab. Nach „Rebell im Maßanzug“, verfasst von der Germanistin und Journalistin Katharina Rudolph, scheint das jetzt auch nicht mehr nötig zu sein. Ist man mit den 500 Seiten durch, fällt einem nichts Unerwähntes mehr ein. Das hat schon fast etwas Unheimliches, auch wenn man an die Recherchearbeit denkt, die sich hinter diesem „Werk“, Weiterführung einer Dissertation, verbirgt. Hier wurde ein Leben rekonstruiert. (mehr …)

[LiSe 02/21] Den Abstraktionen eine Bühne!

Der Autor, Regisseur und Theatermann Emre Akal

Von Katrin Diehl

Für Emre Akal war 2020 ein gutes Jahr. Zwei Preise hat er entgegennehmen dürfen. Im Sommer den „Förderpreis für Theater der Stadt München“, eine Auszeichnung, die vor allem Akals Arbeit als Regisseur galt und die auf städtisches Interesse an einer innovativen, klugen wie Grenzen sprengenden „Freien Szene“ schließen und hoffen lässt. Dann – Ende des Jahres – kam noch der „exil-DramatikerInnenpreis 2020“ hinzu, vergeben von den „WIENER WORTSTAETTEN“, dem „Schauspiel Leipzig“ und der Wiener „edition exil“, und der ehrte den „Stückeschreiber“ Emre Akal, prämierte dessen Stück mit dem verführerischen Titel „Hotel Pink Lulu – Die Ersatzwelt“. (mehr …)

[LiSe 02/21] Kolumne: Namenscheck

Speranza hieß (zufällig?) der zuständige Gesundheitsminister, als dort, im Land der glühenden Orangen, vor gut 12 Monaten „Corona“ ausbrach und der harte Lockdown beschlossen wurde. Speranza, hier in München, der nördlichsten Stadt Italiens, braucht man das nicht zu übersetzen, klarer Fall.

Aber mit Namen ist das ja so eine Sache. Die Menschheit teilt sich, grob betrachtet, in zwei Hälften. Die „Nomen est Omen“-Hälfte einerseits und andererseits die „Namen ist Schall und Rauch“-Sektion, wobei in düsteren Zeiten wie diesen das Ominöse dominiert! Die Menschen suchen nach „Zeichen“, nach „Be-deutung“ (Stichwort Kontingenz-Intoleranz), sie lechzen nach der magischen Kraft von Namen, wollen sich nicht abspeisen lassen mit trockenen wissenschaftlichen Erklärungen. Man hat genug von Statistiken und Begriffen wie Konfidenzintervall, Reproduktionszahl, Inzidenz! Selbst Autokonzerne vertrauen jetzt den Sternen. „Stellantis“ heißt der gerade neu geschmiedete Konzern aus Fiat, Chrysler, Opel und Peugeot. (Auguren flüstern allerdings schon jetzt, dass ihn der Name vor dem Untergang nicht retten wird.) (mehr …)

[LiSe 02/21] Rezension: Mehr als nur grauer Tunnel

Zum neuen Roman von Hans Pleschinski

Von Stefanie Bürgers

Paul Heyse (1830 – 1914), dem ersten deutschen Literaturnobelpreisträger, hat München nur eine düstere, mittlerweile renovierungsbedürftige Unterführung gewidmet. Wie passend also, dass Paul Heyse in jungen Jahren zu seiner Berliner Zeit dem Poetenverein „Tunnel über der Spree“ angehörte. Dabei gäbe es in München durchaus eine Alternative für ein angemessenes Gedenken, denn Heyses ehemalige Münchner Villa, die ja noch existiert, steht nahe dem Lenbachhaus in der Luisenstraße. Im Garten dort, ein Götterbaum. Die Villa ist nach langem Rechtsstreit endgültig vor dem Abriss bewahrt. Endlich könnte eine Begegnungsstätte für kulturell interessierte Menschen zur Erinnerung an Paul Heyse entstehen, der den größten Teil seines Lebens in München verbracht hat. (mehr …)

[LiSe 02/21] Literaturstipendien: Ausschreibung 2021 der Landeshauptstadt München

Die Landeshauptstadt München vergibt 2021 sieben Stipendien für Autor*innen und Übersetzer*innen in Höhe von jeweils € 6.000,-. Zusätzlich wird der Leonhard und Ida Wolf-Gedächtnispreis für Literatur vergeben (€ 3.000,-).

Mit den Literaturstipendien und dem Leonhard und Ida Wolf-Gedächtnispreis für Literatur sollen vielversprechende Projekte vorwiegend jüngerer Münchner Autor*innen gefördert werden. Für die Literaturstipendien besteht keine Altersbeschränkung, für den Leonhard und Ida Wolf-Gedächt-nispreis kommen nur Autor*innen unter 30 Jahren in Fragel. Das Stipendium für Übersetzer*innen fördert eine herausragende Leistung in der
Übertragung eines besonders anspruchsvollen Textes ins Deutsche.

Einsendeschluss: 15. März 2021

Rückfragen bitte an: Katrin Dirschwigl, katrin.dirschwigl@muenchen.de

Weitere Informationen unter: muenchen.de/kulturfoerderung

[LiSe 02/21] Trauer um Ursula Haeusgen

Kurz nach Redaktionsschluss haben wir vom Tod Ursula Haeusgens erfahren, eine Nachricht, die uns sehr traurig stimmt. Ursula Haeusgen, Gründerin und Mäzenin des Lyrik Kabinetts, hat das Gedicht in seiner internationalen Breite nach München gebracht und auch regelmäßig auf unsere Münchner LiteraturSeiten, die dem Lyrik Kabinett schon lange eng verbunden sind.

Eine ausführliche Würdigung folgt.