[LiSe 05/26] Die Geschichten vom Geschichtenerzähler

Die Internationale Jugendbibliothek lädt zu James Krüss’ 100. Geburtstag.

Von Katrin Diehl

Irgendwann zog es ihn in den Süden und dann wurde er für über 15 Jahre (1949 bis 1966) in München heimisch. Hier machte er seinen Weg, wurde als Schriftsteller groß, holte sich Bewunderung auch vom älteren Kollegen Erich Kästner. Am 31. Mai 2026 wäre der Helgoländer James Krüss 100 Jahre alt geworden, und das gilt es zu feiern in der Stadt, in der er Geschichten wie „Mein Urgroßvater und ich“ (1959) oder „Timm Thaler“ (1962) aufs Papier gebracht, den Bayerischen Rundfunk mit wunderbaren Kinderhörspielen versorgt hat und in der er reimte, dass es die reinste Kinderlust war („Henriette Bimmelbahn“, „Der blaue Autobus“, „Der kleine Doppeldecker“ …). Zu etwas Geld gekommen zog Krüss in den 1960er Jahren von Lochham um ins eigene Haus mit Garten nach Gilching. Nach noch mehr Erfolg und Bekanntheit wurde ihm das auf einmal alles zu viel und er, der Inselmensch, machte sich auf nach Gran Canaria, seinem letzten Zuhause. (mehr …)

[LiSe 04/26] „Dort, wo man Bücher verbrennt …“

Eine im November 2025 erschienene „Geschichte der deutschsprachigen Literatur 1933 – 1945“ legt neue Erkenntnisse zum  Publikationsverhalten während des Dritten Reichs dar.

Von Michael Berwanger

Anfang April 1933 – im direkten Zusammenhang mit der Machtergreifung Hitlers – rief die „Deutsche Studentenschaft“, ein nationalistischer Zusammenschluss der deutschen Hochschulverbände, eine vierwöchige „Aktion wider den undeutschen Geist“ aus. Sie begann am 12. April 1933 mit der Bildung von „Kampfausschüssen“ und endete am 10. Mai desselben Jahres mit spektakulären öffentlichen Bücherverbrennungen in über 30 Universitätsstädten von Berlin über Dresden bis München. Viele Literat*innen wurden verfolgt, bekamen Berufsverbot, mussten fliehen oder begaben sich in die innere Emigration. (mehr …)

[LiSe 03/26] „Gleich gibt’s die Mumins …“ Wenn eine ganze Welt ins Literaturhaus einzieht

Von Katrin Diehl

Die Wesen aus dem Mumintal schaffen es als Tattoos auf Ober- wie Unterarmen. Sie zieren obere Nackenwirbel, machen das Muskelspiel der Waden mit. Und wer weiß, wo sie sonst noch voller Zärtlichkeit und hautnah in Erscheinung treten. Jedenfalls stehen sie für etwas und demonstrieren: Hier ist jemand ein*e Muminian (gibt es dieses Wort?), hier fühlt sich jemand angezogen von den philosophischen Untiefen der Muminwelt und deren erstaunlichen, seltsam geformten Wesen, die voller Melancholie, Gelassenheit und vor allem voller erstaunlicher Fragen stecken. Umrandet werden diese Geschöpfe von einer klaren, dickschwarzen Linie. Minimalistische Details typisieren und charakterisieren sie. Kurz: Die Mumins, der Schnupferich, der Sniff, das Snorkfräulein, die Mü, der Morra und wie sie sonst noch alle heißen, sind neben allem anderen eben auch ästhetisch sehr fein designte Grafikwesen, die schön sind und Laune machen und die ganz mühelos Tassen, Tücher und T-Shirts schmücken. (mehr …)

[LiSe 02/26] Crazy Machines – Verrückte Maschinen in der Internationalen Jugendbibliothek

Von Ursula Sautmann

Fifi lebt in einem Hochhaus mit vielen Fenstern. Hinter diesen Fenstern leben viele unbekannte Menschen, und sie sehen traurig aus. Da muss sie etwas machen, findet Fifi, und sammelt, was Menschen wegwerfen oder einfach stehen lassen: Spülmaschine, Gießkanne, Leiter, Wäscheleine, Regenschirm, Stuhl und vieles mehr. Fifi baut die Dinge aufeinander, ineinander und nebeneinander, das Gebilde, die Maschine, wird größer und größer. Neugierig schauen die Mitbewohner*innen und denken bei sich, was soll das werden. Fifi spürt, jetzt braucht die Maschine Hilfe, sie lädt zum Fest, und die Menschen beginnen zu spielen, zu reden und zu lachen – nicht nur die Maschine erwacht zum Leben. „I think we’ve got it working“ („Ich denke, es läuft“), sagt ihr Vater. „Can we invent something new? Together?“ („Können wir was Neues erfinden? Gemeinsam?“), will Fifi wissen. (mehr …)

[LiSe 01/26] Immer unter Dichtern

Und Präsident der Bayerischen Akademie der Schönen Künste war Michael Krüger auch (von 2013 bis 2019).

Von Katrin Diehl

Dieser Mann hat höchste Verdienste an der Literatur, der deutschen wie der internationalen. Er hat höchste Verdienste am literarischen Deutschland, an München als Kultur- und Literaturstadt, das unter seiner „Ägide“ noch mal so richtig – tja – zum Leuchten kam. Und selbstverständlich hat er auch ganz schön viel fürs deutsche Verlagswesen getan, denn der vergleichende Blick blieb den Kolleg*innen ja nicht erspart. Wie schwer ist es, wirtschaftlich zu bleiben und sich dennoch dem Schönen, Guten, Seltenen, Anspruchsvollen und immer wieder auch der Lyrik … in schmucken Ausgaben zuwenden zu können? (mehr …)

[LiSe 12/25] Blutwurst mit Zimt

Ein literarischer Streifzug durch Essgewohnheiten an Weihnachten

Was gibt es bei Ihnen an Heiligabend zu essen? Fondue mit Filetspitzen und sieben exotischen Saucen, Fünfgängemenü – von Forellenmousse über Gänsebraten bis Creme Bavaroise – oder traditionell Würstel mit Kartoffelsalat? Kein Tag im Jahr ist so mit Bedeutung überladen wie der 24. Dezember. Und damit auch seine Festtafel. Sie gibt dem Tag den äußeren Rahmen für alle Erwartungen und Enttäuschungen und spiegelt die Schicksale der Festgäste. (mehr …)