oder

etwas als solches oder sozusagen geschenkt
ein wort mit vier buchstaben zum beispiel
oder eine spontanfrequenz, schmerzfrei sogar
oder ausrangiert als ganzes wenn nicht
in effigie dann extra commercium vielleicht
ein krokodilschluß oder eine krankheit der natur
– eine disjunktionsschaltung im volksmund nur

etwas als solches oder doch vielmehr nichts
als dasselbe noch einmal zur abwechslung ein er
ohne oder eine sie mit, vielleicht eine neue
gattung auf abruf oder ein böses erwachen im netz
als Kuckucksei zum beispiel oder als funke
für den kalten rest – was macht den unterschied,
die sache selbst?

Daniele Dell’Agli

 

umtausch ausgeschlossen

wenn es den konjunktiv nicht gäbe,
wäre alles wie immer: die erste liebe
ein drama, blutgruppe unbekannt,
gerechtigkeit selten.

das problem mit dem konjunktiv: man weiß nie
ob er hält, was er verspricht: kühlaggregat,
abstandssensor, schwingungsfilter, was
hat man ihm nicht schon angedichtet.

dabei kann man im konjunktiv nicht mal
durchschlafen, geschweige denn zimmer
verdunkeln. und wozu auch? ohne ihn
geht es alles schneller. das erwachsenwerden,

die beziehungsflucht, der katzenjammer.
dafür muß man im konjunktiv alles
alleine machen. schwimmen lernen,
bilanzen fälschen, geburtstag vergessen.

früher, ja, da gab es noch kurschatten
für heiße wangen, schaltsignale
für gute ratschläge, schwingtüren
für beifall von der falschen seite.

heute heißt es wunden lecken, rückwärts
vor dem einschlafen die telomeren zählen.
hinter lichten vorhängen, mit gereizten
konjunktiven, das steht fest, wächst es

sich nicht mehr raus, sondern rein
ins Gedächtnis: erste liebe kein drama,
blutgruppe selten, gerechtigkeit unbekannt.

Daniele Dell’Agli

 

Erleuchtung des instrumentalisierten Himmels

Ein Baum das Land, und die Rosen
blühn aus alter Kraft.
Das facettenreiche Auge
wandelt im Abglanz: Der Baum
beschattet seine Kinder, hat
mit schwankender lastender Frau
einen langen Weg beschritten.

Der spöttische Untergang
wird immer ein Zimmer finden.
Wir werden beim Rauch stehn,
mit Zeit und Ziel und Zahl.

Wolfgang Berends

 

M e t a p h y s i s c h e s

Vermutlich der Oberteufel mit
seinen zielgenauen Augen und
dem großkalibrigen Gewehr
hat unsere Welt in Stücke geschossen.
Wälder, weggerissene Berge, Teile
von Städten fliegen umher,
durcheinander grün, grau, gelb, rot,
Gewissheiten, Wahrheiten, Schönheiten,
Freundschaften, Feindschaften, Hiobsbotschaften,
Verantwortungsgefühl, Mitgefühl, überhaupt Gefühl,
kopfüber, kopfunter und Querschläger.
Sogar den Teufelskindern wird es bang:
Vater, dauert das noch lang?
Wenn so ein Trumm die Hölle trifft,
da nehmen wir doch lieber Gift!
Beruhigt euch, Kinder, in kurzer Zeit,
so etwa in hundert Jahren,
zeigen die Menschen ein bessres Gebaren,
fügen die Stücke zu neuer Einheit,
ordnen die Welt, wie’s allen gefällt.
Dann habt ihr gelernt, wie man’s ihnen
wieder vergällt.

Hans Buchner

 

R ä t s e l h a f t  ?

Wir halten eine kleine Qualle
in der Hand. Ihre Fäden treiben
weit über die Welt und
saugen ein, was sie erreichen können,
Nebensächliches, Nützliches, Wichtiges
und Unsinn. Auf seinem Schirm
zeigt das Glibbertier alles,
was wir bestellen und schießt
als Zugabe das klebrige Nesselgift
in das Gehirn des Betrachters. Wer
kleben bleibt, zappelt wie die
Maus im Rachen der Katze.

Hans Buchner