by LiSe | 1. Juli 2021 | Blog, Kolumne
Die Abiturprüfungen sind längst gelaufen, es gab den üblichen Corona-Ärger. Mathe, wieder viel zu schwer; Rechtsanwalt, sofort nachhaken! Die geplagten Eltern können sich kaum entspannen. Mancher Vater ging vor dem Abi auf 1,5 Meter Abstand zu sich selbst, um sich überhaupt im Spiegel zu erkennen. Dieses ständige Fiebern zwischen Wechsel-, Präsenz- und Distanzunterricht! Jetzt sucht er sich einen schönen Platz an der Isar, Tuch an Tuch, neben einer fremden Blonden, Typ Judith Rakers zum Beispiel, von der Tagesschau. Etwas Ablenkung nach dem Abistress. (mehr …)
by LiSe | 1. Juli 2021 | Blog, Lyrische Kostprobe
Andrzej Kopacki, geboren 1959, ist Essayist, Lyriker, Übersetzer sowie Dozent an der Warschauer Universität und bei der Literaturzeitschrift Literatura na Świecie. In einem Ton und Rhythmus, der streng und spielerisch zugleich ist, wendet sich der Warschauer Dichter in der Sammlung „Gedichte für Marianna“ an ein Kind und an die Welt, an Königinnen und Liebhaber, an Hunde und Obstfliegen und Kellnerinnen im Hafen. Seine Form: Sonett und freier Reim …, und wissen Sie noch, was eine asklepiadeische Ode vom Dichter verlangt? (mehr …)
by LiSe | 1. Juli 2021 | Blog, Vermischtes
Auf der Bühne wird gesprochen, darüber schwebt Text
Von Katrin Diehl
Übertiteln“! Wie schön einem dieses Wort gegen den Strich geht. Wie einfach es sich zusammensetzt, ganz entlang einer Tätigkeit, die wenig Aufhebens von sich macht. Yvonne Griesel ist professionelle Übertitlerin, übertitelt schon eine ganze Weile, ohne dass ihr dabei die Faszination für das, was da eigentlich zwischen Sender und Empfänger mit Sprache so geschieht, abhanden gekommen wäre. (mehr …)
by LiSe | 1. Juli 2021 | Blog, Kurzgeschichte
Von Isa Bellini
Als Dominique – wie er es an jedem Abend nach der Arbeit tat – den Hügel hinab ging, erschrak er nicht nur deshalb, weil der wochenlange Regen seinen Trampelpfad einfach weggewaschen hatte und er ins Rutschen kam, nein auch, weil ihm plötzlich ein gläserner Aufzug im Wege stand, mitten im Dickicht des Isar-Wäldchens.
Der Regen lief ihm ins Genick. „Nichts wie rein“ dachte er. Falsch gedacht – die Kabine war voll, total voll, voll mit weißem Pferd und noch schlimmer. Die dampfenden Pferdeäpfel vernebelten die Glaswände und stanken ihn aus der offenen Türe an. (mehr …)
by LiSe | 1. Juli 2021 | Blog, Rezension & Buchempfehlungen
Zwischen Ural und Kamtschatka
Von Katrina Behrend Lesch
Kälte, Straflager, Verbannung,– das verbindet man gemeinhin mit Sibirien, aber sicher nicht Klaviere. Die britische Journalistin Sophy Roberts belehrt uns eines Besseren. Beseelt von dem Gedanken, für die mongolische Pianistin Ogderel Sampilnorow einen Konzertflügel aufzuspüren, begibt sie sich zwischen Ural und Kamtschatka auf die Suche nach Sibiriens vergessenen Klavieren. So erfährt man, dass selbst in die entlegensten Orte dieses Riesenreichs, gefördert sowohl von Katharina der Großen als auch Lenin, die kulturelle Bildung vorgedrungen war und dass mit den Geschichten der Bechsteins, Broadwoods, Erards oder Stürzwages, die Roberts aufstöbert, die Geschichte Russlands eng verbunden ist. (mehr …)
by LiSe | 31. Mai 2021 | Blog, Titelgeschichte
Zur Frage: Wer darf welche*n Autor*in übersetzen?
Von Ursula Sautmann
Als Amanda Gorman bei der Inauguration des neuen amerikanischen Präsidenten Joe Biden ihr Gedicht „The Hill We Climb“ vortrug, hat sie sich an die Welt gewandt. Nicht überall wird der Text verstanden, er muss übersetzt werden. Es braucht also Übersetzer*innen, um dem Text Geltung zu verschaffen. Meist entscheiden die Verlage in Absprache mit dem*r Autor*in über die Auftragsvergabe, sagt Tanja Handels, die seit 2003 literarische Texte aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt, u.a. von Zadie Smith und Bernardine Evaristo. Übersetzer*innen bewerben sich oder werden empfohlen. Für das Gedicht von Amanda Gorman hatte ein niederländischer Verlag Marieke Lucas Rijneveld den Auftrag erteilt. Rijneveld ist eine junge weiße, non-binäre Lyrikerin. Sie gab den Auftrag zurück, als kritisiert wurde, dass keine Schwarze Übersetzerin gewählt wurde. „Ist es nicht mindestens eine verpasste Chance…?“, fragte die Journalistin Janice Deul in einer niederländischen Tageszeitung. (mehr …)
by LiSe | 31. Mai 2021 | Blog, Kolumne
Und mit dem Sommer, so heißt es, kommen die Wölfe (und wo der Wolf heult, ist der Luchs nicht weit). Jetzt sogar Bissingen, frommes Schwabenland! Dort wurde er Anfang Mai fotografiert, der Wolf, nur 99 km vor München, Luftlinie. Der Bürgermeister ließ, während man hier noch über den zweiten „Wiesn-Verzicht“ palaverte, die Zäune höher ziehen. Ausgerechnet Bissingen – was für ein Omen! Das kann doch kein Zufall sein. Aber der Wolf kommt, wohin er will. Und wann er will. Die Sommer sind ihm egal, denn der Sommer ist nicht mehr der alte! (mehr …)
by LiSe | 31. Mai 2021 | Blog, Lyrische Kostprobe
Slata Roschal, geboren 1992 in Sankt Petersburg, ist Lyrikerin und Literaturwissenschaftlerin. Sie lebt bei München. Ihr Debütband Wir verzichten auf das gelobte Land erschien 2019 bei Reinecke & Voß in Leipzig. RED
Den Anfang machten alte Frauen
Sie ließen verbliebene Haare toupieren und wellen
Dann kamen Piloten dazu Kapitäne zur Hälfte gerauchte Zigarren
Es kam ein Schwarm dazu an Libellen
Ein guter Tod ist ein verjährter Tod (mehr …)