by LiSe | 29. Jan. 2025 | Blog, Titelgeschichte
Von Katrin Diehl
Festlegen lässt er sich ebenso wenig wie bestimmen. Weil eben nicht nur das Ergebnis, das, was am Ende zu sehen, zu hören, zu lesen ist, zählt. Irgendwie hat er es bis auf T-Shirts, auf Ansichtskarten ohnehin geschafft, stark reduziert auf Witz, auf Originalität. Macht nichts. Denn offensichtlich kann ihm all das nichts anhaben, dem Surrealismus. (mehr …)
by LiSe | 29. Jan. 2025 | Blog, Kolumne
Da steh ich mal wieder vorm Antiquariat und stöbere in Kisten voller Bücher, auf denen fett das Urteil „Mängelexemplar“ steht. Dafür muss sich das Buch nicht schämen. Oft ist es ja so, dass ein solches Werk nur einen einzigen sichtbaren Mangel hat: das fett gedruckte „Mängelexemplar“. Dabei hat ein Buch, auf dem ein roter Bestseller-Aufkleber prangt, schon eher das Zeug zum „Mängelexemplar“. Oder denken Sie nur an den hässlichen Störer: „Sonderpreis 3 Euro“! Nein, danke. (mehr …)
by LiSe | 29. Jan. 2025 | Blog, Lyrische Kostprobe
Philipp Létranger, geboren 1956 im Bayerischen Wald, aufgewachsen in Stuttgart, lebt seit 1975 in München und wohnt mit Frau und Hund am Stadtrand von München.
Erst im Ruhestand begann er, sich ernsthaft mit dem Schreiben auseinanderzusetzen, veröffentlicht Lyrik seit den Jahr 2020. (mehr …)
by LiSe | 29. Jan. 2025 | Blog, Vermischtes
Die Gedenktafel für Schalom Ben-Chorin zwischen Isartor und Isar
Von Katrin Diehl
Er war ein Münchner. Geboren wurde Schalom Ben-Chorin, der damals noch Fritz Rosenthal hieß, am 20. Juli 1913 im Haus Zweibrückenstraße 8, das mit stattlichem Doppelgiebel und schmucken Wandmalereien sein Aussehen bis heute kaum verändert hat. Die zwei Kriege scheinen um das schöne Stadthaus zwischen Isartor und Ludwigsbrücke gütig einen Bogen geschlagen zu haben. Eine Gedenktafel rechts vom Eingang, gestaltet von der Künstlerin Blanka Wilchfort, erinnert seit 2011 an den deutsch-israelischen Journalisten, Religionsphilosophen, Schriftsteller, Gelehrten, der sich voller Engagement und Idealismus „für den christlich-jüdischen Dialog“ einsetzte, der Bücher über Jesus, Paulus oder Maria als jüdische Menschen und aus der Perspektive der eigenen, der jüdischen Tradition schrieb. (mehr …)
by LiSe | 29. Jan. 2025 | Blog, Rezension & Buchempfehlungen
Die Mitarbeiter*innen der Münchner Stadtbibliotheken empfehlen für den Monat Februar diese Neuerscheinungen:
Rabea Edel: Portrait meiner Mutter mit Geistern
H. Beck
Raisa lebt allein mit ihrer Mutter Martha und das schon immer. An ihren Vater hat sie keine Erinnerung. Ihr Name ist das Einzige, was sie von ihm bekommen hat – besser so, sagt Martha. Doch Raisa beginnt, Fragen zu stellen. Als der Nachbarsjunge Mat verschwindet, beginnt Martha zu erzählen. Von Lügen, die schützen, und Lügen, die in Gefahr bringen. Von der Liebe ihres Lebens und ihrem größten Verlust. Rabea Edel zeichnet die bewegende Lebensgeschichte ihrer Mutter und das Portrait einer Nachkriegsgeneration, die im Schatten der Gewalt und des Schweigens aufgewachsen ist. Ein Buch wie ein Kaleidoskop, das vor allem die Frauen in den Blick nimmt.
Matthias Lohre: Teufels Bruder
Piper
Der Roman über die rätselhafte Zeit, als aus dem Schulversager der Autor der weltberühmten „Buddenbrooks“ wurde: jene eineinhalb Jahre, die Thomas Mann mit seinem Bruder Heinrich in Italien verlebte. Dabei, so gestand er kurz vor seinem Tod, begegnete er im Sommer 1897 dem Teufel. Was also widerfuhr dem 22-jährigen Thomas Mann, das den Menschen und Künstler für immer veränderte? „Teufels Bruder“ erzählt von der Sehnsucht nach Liebe und dem schmerzhaften Versuch herauszufinden, wer man wirklich ist. Historisch genau, profund recherchiert und zugleich spekulativ. Eine eigenständige Geschichte mit zahlreichen Werkbe-zügen.
Münchner Stadtbibliothek
Stadtbibliothek im HP8, Hans-Preißinger-Straße 8, Sendling
Stadtbibliothek im Motorama, Rosenheimer Straße 30-32
www.muenchner-stadtbibliothek.de
Alle vorgestellten Bücher sind in der Münchner Stadtbibliothek an einen Standort der eigenen Wahl bestellbar (Voraussetzung ist ein Kund*innenausweis).
by LiSe | 29. Jan. 2025 | Blog, Kurzgeschichte
Von Sarah Neumann
Sie erwischte sich dabei, wie sie laut vor sich hin schimpfte. Sie war gerade erst aufgestanden und in die Küche gegangen und schon ärgerte sie sich über ihn. Wie er immer das Radio aussteckte, sodass sie erst warten musste, bis es den Sender wieder gefunden hatte und wie er immer die Gläser der Kinder wegräumte, aber nie wieder frische auf den Tisch stellte. Nein, das musste natürlich sie machen! Morgens um 5:30 Uhr, während er oben im Bett lag und noch schlafen durfte. Sie stand sicher nicht freiwillig so früh auf, würde auch lieber noch weiterschlafen. (mehr …)
by LiSe | 29. Jan. 2025 | Blog, Rezension & Buchempfehlungen
Der neue Band von Birk Meinhardt fordert seine Leser*innen
Von Michael Berwanger
Es gibt Bücher, die uns nicht zur Ruhe kommen lassen, weil sie Gedanken freisetzen, die uns zurückschrecken lassen, aus Angst, Argumente der falschen Seite anzunehmen. Der langjährige SZ-Redakteur Birk Meinhardt konfrontiert seine Leser*innen in seinem neuesten Buch „Abkehr“ – es trägt keine Genre-Bezeichnung – mit derartigen Gedankengängen.
Worum geht es? Meinhardts Alter Ego Erik Wirchow – wie der Autor geboren in der ehemaligen DDR – findet sich plötzlich inhaftiert, obwohl er denkt, dass er nichts verbrochen habe. Was ihm genau zur Last gelegt wird, wird erst am Ende des Buches erzählt. In der Haft beginnt der Protagonist sich schreibend über seinen Weg in die Justizvollzugsanstalt klar zu werden. Dabei wechseln seine Gedanken bzw. Notate zwischen Hafterlebnissen, Rückblenden in die DDR- und in die Nachwendezeit und allgemeinen gesellschaftlichen Betrachtungen.
Meinhardt, der mit seinem Roman „Brüder und Schwestern“ 2013 für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert war, beschreibt minutiös die Gewalt im Gefängnis, aber auch die Gewalt der Polizei bei Inhaftierung und die Willkür der Justizvollzugsbeamten bei der Bewilligung von Hafterleichterungen. Er beschreibt den Werdegang seines Protagonisten nach der Wende, der sich von der Verlogenheit einer diktatorischen Gesellschaft in die Verlogenheit eines Pharmakonzerns rettet. Er beschreibt, wie die „Kinder der DDR“ sich freiwillig ihren Heimatwortschatz abtrainierten, um von den „Wessis“ nicht als Verlierer abgestempelt zu werden. Er wettert gegen selbstgefällige Redaktionen und Radiosendungen, die sich dann couragiert geben, wenn es für sie nichts zu befürchten gibt; gegen Verlage, die Literatur nicht mehr nachdrucken wollen, aus Angst, von der falschen Seite Beifall zu bekommen. Er schimpft auf Konzerne, die aus Geldgier Schönrednerei betreiben. Und er schreibt gegen die Machenschaften von Pharmakonzernen, die neue Krankheiten für ihre neuen Medikamente erfinden. All dies ist weder abwegig, noch herbeifantasiert, auch wenn die beschriebenen Firmen und Orte nicht existieren. Solche und so ähnliche Vorgänge gab und gibt es in der Realität zuhauf.
Birk Meinhardt, dessen preisgekrönter Roman „Brüder und Schwestern“ bei Hanser erschienen war und sein Band „Wie ich meine Zeitung verlor“ – eine kritische Auseinandersetzung mit der journalistischen Ausrichtung der SZ – bei Das neue Berlin, hat für sein „Abkehr – Ein Hafttagebuch“ keinen Verlag gefunden. Zu gefährlich schienen den Verlagen seine Kritik an den bestehenden Zuständen. Da das Bücherverlegen immer ein Vabanque-Spiel sei, so Meinhardt, habe er seinen Eigenverlag Vabanque genannt.
Die Vorstellung, dass in unserer heutigen Zeit kritische Stimmen keinen Verlag mehr finden, der sich traut, auch Bücher außerhalb des Mainstreams zu veröffentlichen, sollte einen stutzig machen. Denn in diesem Fall liegt es nicht an der Qualität des geschriebenen Wortes oder an der Klarheit der ausformulierten Gedanken, die eine Ablehnung hätten rechtfertigen können. Ein wichtiges Buch in Zeiten euphemistischer Schönfärberei.
Birk Meinhardt:
Abkehr – Ein Hafttagebuch
284 Seiten, Paperback
Vabanque Verlag
Berlin 2024
22 Euro
by LiSe | 2. Jan. 2025 | Blog, Titelgeschichte
Von Sevda Cakir
Mit 79 Mitgliedern, vielen weiteren Unterstützenden und Kooperationen besteht der Verein „Münchner Schreiberlinge e. V.“ nun seit vier Jahren. Doch das Texte-Kollektiv spinnt sein Netzwerk schon länger. (mehr …)