[LiSe 02/20] Kommt ein Bot in die Bar

Künstliche Intelligenz im Münchner Literaturbüro 

Von Wolfram Hirche

Die Künstliche Intelligenz (KI) literarisch einzufangen war das Thema zweier Abende im Münchner Literaturbüro Ende letzten Jahres. Sieben Autorinnen und Autoren haben sich der Herausforderung vor einem kritischen und diskussionsfreudigen Publikum gestellt.

2019 war ja nicht nur das Jahr des Klimaprotestes, der Peter-Handke-Schlacht und des literarischen Doppel-Nobelpreises, sondern auch der aufgeregten KI- Berichte. Die Künstliche Intelligenz oder Artificial Intelligence ist in aller Munde. Nach unzähligen Artikeln und Serien in der Süddeutschen Zeitung, der Zeit oder der FAZ zum heißen Thema des Jahres, nach uralten literarischen Würfen wie E.T.A. Hoffmanns „Der Sandmann“ (1816) und Ian McEwans „Maschinen wie ich“ (2019) war es an der Zeit, das Thema aufzugreifen. (mehr …)

[LiSe 02/20] Kolumne: Langer Abschied

Abschied ist ein scharfes Schwert, das ach so tief ins Herz dir fährt“, sang einst der Schlagerbarde Roger Whittaker. Verabschiedet haben wir uns gerade vom Jahr 2019, unter Schmerzen, mit Wehmut? Für Aktienbesitzer war es kein schlechtes Jahr, aber ob die beginnenden Zwanziger golden oder nicht vielmehr sehr zornig werden, steht noch in den Sternen. Manche(r) ging in den Ruhestand, mit gemischten Gefühlen. Denn die Angst vor dem Abschied aus dem Erwerbsleben vereint sie alle, die Kanzlerin, den Hausarzt, die Lokalreporterin. Aber muss man wirklich Angst haben? Viele sprechen dann auch eher von einem Wendepunkt, kein Ende der vita activa, vielmehr Aufbruch zu neuen Ufern. (mehr …)

[LiSe 02/20] In eigener Sache: Mitarbeiter*innen für Vertrieb und Akquise gesucht

Die LiteraturSeiten München suchen eine(n) Vertriebsleiter*in mit Engagement und Organisationslust. Zeitaufwand etwa 5 Stunden am Ende jeden Monats. Die Mitarbeit ist ehrenamtlich!

Wir suchen außerdem eine(n) Anzeigenakquisiteur*in, ebenfalls für 5 Stunden pro Monat, mit Verhandlungsgeschick und Kontaktfreude. Wichtig ist Telefon-Affinität. Hier wäre evtl. eine kleine Provision möglich!

Wenn Sie Interesse haben, melden Sie sich bitte unter: redaktion@literaturseiten-muenchen.de

[LiSe 02/20] Literarische Archive (Folge 12): Scheiterhaufen oder Denkmal?

Um den Nachlass Oskar Panizzas (geb. 1853 in Bad Kissingen), der sich teilweise im Literaturarchiv der Stadt München, der Monacensia, befindet, ranken sich wildeste Geschichten.

Von Bernd Zabel

Der Weg des ausgebildeten Psychiaters P. zum Patienten, zum „Exil im Wahn“ und seine Indienstnahme für die nationalsozialistische Ideologie sind dabei nur die hervorstechenden. Um mit tradierten Fälschungen und kolportierten Gerüchten aufzuräumen, hat sich der  Germanist Michael Bauer verdienstvollerweise  in die Archive begeben und dabei einiges Neue zu Tage befördert. Aus seiner langjährigen Beschäftigung mit Werk und Leben Oskar Panizzas sind zwei Bände entstanden, eine Biografie und eine Lesebuch (letzteres mit Christine Gerstacker). (mehr …)

[LiSe 02/20] Lyrische Kostprobe

Stefan Wehmeier – Gedichte

Wie Fäuste
ragen die gestutzten Weiden
aus dem Boden
stehen aufgereiht wie Soldaten
am Straßenrand
bilden
ein Spalier zur Begrüßung
Laut lärmen
die Spatzen hier in Plüschow
das Barock-Rundell gilt als morgentlicher Treff
Nur das metallische Schlagen
der Schlossuhr unterbricht sie und
seziert den Tag
Lauthalses Rattern des Kopfsteinpflasters
verheißt ein Ankommen 

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[LiSe 02/20] Empfehlungen: Buchtipps aus erster Hand 

Mitarbeiter*innen der Münchner Stadtbibliotheken empfehlen für Februar diese beiden Neuerscheinungen:

Steffen Kopetzky: Propaganda
Rowohlt Berlin

Ausgehend von der für die US-Armee desaströsen Hürtgenwald-Schlacht 1944 bei Aachen schlägt Kopetzky einen großen Bogen vom 2. Weltkrieg bis zum Vietnamkrieg und den Pentagon-Papieren. Historisch verbürgte Figuren und Geschehnisse flankieren den Lebensbericht des fiktiven John Glueck, eines deutschstämmigen US-Soldaten der Propaganda-Abteilung für psychologische Kriegsführung. Aufwendig recherchiert, packend erzählt und ebenso informativ wie erschreckend. (mehr …)

[LiSe 02/20] Kurzgeschichte: Wasser!

Von Philipp Stoll

Zwei Stunden, so hatte es geheißen, würde die Durchschreitung dieses Canyons im ostafrikanischen Hochland dauern, dann würde man in der Ebene wieder auf die Teerstraße treffen. Eine Karte gebe es nicht, man brauche auch keine. Sicherheitshalber solle man dennoch einen ausreichenden Wasservorrat mitnehmen. Wir, ein Skandinavier, ein Amerikaner und ich, hatten jeder eineinhalb Liter dabei, es sollte schließlich leicht bergab gehen.  Die Landschaft war grandios. Der Weg zog sich allerdings in die Länge. Nach vier Stunden, in denen wir keiner Menschenseele begegnet waren und keine Zeichen von Zivilisation entdeckt hatten, war das Ende des Taleinschnitts noch immer nicht in Sicht. Die Sonne hatte sich im Zenit eingenistet. (mehr …)