[LiSe 11/22] Kolumne: Artgerechte Haltung

Barbara A. aus Giesing liebt Kammerkonzerte. Und Lesungen unbekannter Autor*innen. Ihr Mann mag beides nicht. In früheren Jahren begleitete er sie um des häuslichen Friedens willen, das ist Jahrzehnte her. Barbara A. kann sich nicht erinnern, wann sie ihren Mann zuletzt zu einer Kulturveranstaltung bewegen konnte, und sei das Programm noch so leicht verdaulich gewesen. (mehr …)

[LiSe 11/22] Jung und schreibend (Folge 13): Eine Liebe, die verstört

Natascha Berglehner über missbräuchliche Beziehungen

Von Ursula Sautmann

„In Gedanken setzte ich ihn an den Badewannenrad. … Ich küsste ihm die Wange. Er reagierte nicht. Denn er sah mich nicht. Ich verschwand.“ Wenn Adèle, die Ich-Erzählerin aus „Im Zimmer ist Winter“ von Natascha Berglehner, dem Schwimmlehrer neun Jahre nach einer intensiven Beziehung durch die Straßen der Stadt folgt, sucht sie verzweifelt nach Halt, Inhalt, Sinn. „Je länger ich den Schwimmlehrer beobachtete, ihm folgte, desto mehr verschwand ich, um seinem Leben Platz zu machen. Zumindest blieb ich meinem Leben fern …. Und ich füllte mit seinem Leben meine Leere, statt Mutters Puppen zu streicheln … Die Gefühle der Vergangenheit, sie durften nicht vergangen sein.“ (mehr …)

[LiSe 11/22] Lyrische Kostprobe: Ein neues Magazin für Sprache

Klang ist ein Magazin, das mit Sprache spielt und arbeitet. Es ist ein studentisches Magazin, das Einreichungen in jeder Sprache annimmt. Alle Formen sind willkommen: von originalen Gedichten und Übersetzungen bis hin zu Kurzgeschichten und Bulletins. Was alle Beiträge eint, ist die Frage nach der Sprache: Können manche Gefühle nur in einer Sprache ausgedrückt werden? Was geht durch die Übersetzung verloren? Was wird durch sie gewonnen? (mehr …)

[LiSe 11/22] Buchtipps aus erster Hand

Die Mitarbeiter*innen der Münchner Stadtbibliotheken empfeh-len für den Monat November diese Neuerscheinungen:

Sorj Chalandon: Verräterkind
dtv

Dein Vater stand auf der falschen Seite.“ – Seit seiner Kindheit quält den Erzähler eine Frage: Was hat der Vater während der Besatzungszeit gemacht? Doch er traut sich nie, ihn zu fragen. Im Mai 1987, als in Lyon der Prozess gegen den NS-Verbrecher Klaus Barbie eröffnet wird, berichtet der Sohn als Journalist einer großen französischen Tageszeitung. Und erfährt am selben Tag, dass die Gerichtsakte seines Vaters im Archiv schlummert. Und so ist es nicht ein Prozess, der gerade begonnen hat, es sind zwei. – Basiert auf Chalandons persönlicher Erfahrung als junger Reporter im Prozess um NS-Kriegsverbrecher Klaus Barbie. (mehr …)

[LiSe 11/22] Kurzgeschichte: Mut der Leopardinnen

Von Christoph von Nostitz

Neun Jahre bin ich jünger als sie. Das ist bis heute so. Bei unserer ersten Begegnung war sie dreißig, ich einundzwanzig. Damals hatte sie allerdings die These vertreten, ich sei vier Jahre älter als ich. Sie hatte erklärt, das Leben erst zu spüren, seit sie vor dreizehn Jahren der Enge des Alpentals, in dem sie aufgewachsen war, entkommen sei. Daher sei sie eben erst siebzehn, statt dreißig, und ich somit vier Jahre älter als sie. (mehr …)

[LiSe 11/22] Rezension: Wagen ans Unmittelbare

Grete Weils bisher unveröffentlichtes Erstlingswerk  „Der Weg zur Grenze“

Von Katrin Diehl

Wenn man genau hinsieht, erkennt man am Revers der Wanderjacke eine Blume stecken. Könnte ein Edelweiß sein. Die junge Grete Weil, geborene Margarete Dispeker, sitzt mit zerzausten Haaren auf den Kalksteinen irgendeines wilden Berges und schaut gegen die Sonne in die Kamera. Wer will, kann in ihrem Blick auch einiges an Melancholie erkennen, an Wehmut und Ahnung von den dunklen Wolken, die aufsteigen. Gut möglich, das ist ein „Selfie“, denn sie verstand sich ja aufs Fotografieren. Dieses berührende schwarzweiß Bild, das den Bucheinband schmückt, findet sich im Archiv der Monacensia, wo auch das bisher unveröffentlichte Manuskript bereit lag, ihr „Erstlingswerk“, geschrieben 1944/45 im Amsterdamer Exil, dort im Versteck: einem Zimmerchen hinter einer vorgerückten Bücherwand. (mehr …)

Monacensia erwirbt das Blumenbar-Verlagsarchiv

Die Monacensia im Hildebrandhaus erwirbt das umfangreiche Blumenbar-Verlagsarchiv. Dieses war ab Ende der 90er Jahre stilbildend für die junge literarische Szene. 25 Jahre später übergeben nun die Verlagsgründer Wolf Farkas und Lars Birken-Bertsch dem literarischen Gedächtnis der Stadt München das umfangreiche Verlagsarchiv aus den Jahren 1997 bis 2012. (mehr …)