by LiSe | 28. Feb. 2024 | Blog, Rezension & Buchempfehlungen
Friedemann Karigs neuer Roman zwischen Fakt und Fiktion
Von Markus Czeslik
Clara Konrad, hauptberuflich Wahrsagerin und Sternendeuterin im Call Center, sitzt bei ihrer Therapeutin (wovon wir erst mal ausgehen) und lügt, dass sich die Balken biegen – und man glaubt ihr jedes Wort. Dabei können wir aus mehreren Gründen davon ausgehen, dass es die Klientin nicht immer genau nimmt. Wenn wir uns aber von der Frage lösen, was wahr oder falsch ist, und uns darauf einlassen, wie die Erzählerin sich mit jeder Geschichte neu konstruiert und jedes erzählte Puzzleteil ihre Identität formt, und wir uns zudem bewusst machen, wie wir unser eigenes Ich durch Geschichten formen (erdachte, geliehene, erlebte) – dann ist dieses Buch zwischen Fakt und Fiktion ein tief-trauriges, großes Vergnügen. In jedem Fall beweist sich der Journalist (u. a. Süddeutsche, SZ Magazin, Die Zeit) und Autor Friedemann Karig als Magier und glänzender Storyteller.
Friedemann Karig:
Die Lügnerin, Roman
224 Seiten,
Ullstein, Berlin, 2023
22,99 Euro
by LiSe | 1. Feb. 2024 | Blog, Titelgeschichte
Die Internationale Jugendbibliothek zeigt eine große Auswahl an Arbeiten des Illustrators Reinhard Michl
Von Katrin Diehl
Er könnte das wunderbar zeichnen: wie Mann und Maus, Frau und Kind, Ochs und Esel allesamt ihre Beine unter die Arme nehmen und losstürmen. Bevor es zu spät ist. Bevor sie etwas verpassen. Zum Beispiel die Ausstellung „Die ganze Welt riecht lasterhaft nach Hunden, Katzen, Schnecken“ in der Internationalen Jugendbibliothek im Schloss Blutenburg. Anlässlich seines 75. Geburtstags werden dort in der Wehrgang-Galerie bis zum 11. Februar Illustrationen und Skizzen des Illustrators Reinhard Michl gezeigt, einem Künstler, der mit seinen Bildern aus der deutschen wie internationalen Kinderbuchwelt kaum wegzudenken ist. (mehr …)
by LiSe | 1. Feb. 2024 | Blog, Kolumne
Ein paar Worte zum seltsamen Büchertitel „März“. Denn das sind diese über die Stadt verteilten „öffentlichen Bücherschränke“ ja auch: Orte, die die wechselnden Lesemoden einer Stadtgesellschaft konservieren und auch seltsamste Titel nicht verlorengeben. (mehr …)
by LiSe | 1. Feb. 2024 | Blog, Vermischtes
Die Stroux edition aus München-Neuhausen
Von Marie Türcke
Im Gespräch mit Annette Stroux kommt man auf eine neue Definition des Konzepts „unabhängiger Verlag“: Das ist, wenn Den-Verlag-betreiben ein Selbstzweck in sich ist. Kein Mittel zum Zweck, kein „Mehr-generieren durch das Buchgeschäft, sondern schlicht in enger Zusammenarbeit mit den Autor*innen etwas Schönes und Bleibendes schaffen. Wenn das gelingt, ist das Ziel erreicht“. (mehr …)
by LiSe | 1. Feb. 2024 | Blog, Lyrische Kostprobe
Sarah Kiyanrad wurde in Stuttgart geboren und lebt heute in Augsburg. Tagsüber hält sie sich meist im 16. und 17. Jahrhundert auf, nachts im Reich der Wörter. Neben der Arbeit an den eigenen Gedichten übersetzt sie Lyrik, Kinderbücher und Romane aus dem Farsi ins Deutsche. (mehr …)
by LiSe | 1. Feb. 2024 | Blog, Rezension & Buchempfehlungen
Die Mitarbeiter*innen der Münchner Stadtbibliotheken empfehlen für den Monat Februar diese Neuerscheinungen:
Maggie Millner: Paare
Klett-Cotta
Wer die Fesseln einer herkömmlichen Paarbeziehung einmal über Bord geworfen hat, will nie wieder dorthin zurück. Aber was, wenn doch? Eine Frau lebt ein gewöhnliches Leben in Brooklyn. Sie hat einen Freund. Eine Katze. Schreibt Gedichte. Und träumt: von Verführung, Lust und Unterwerfung. Ihre Paarbeziehung hält diesen Sehnsüchten nicht stand. Als sie eines Nachts in einer Bar eine Frau kennenlernt, streift sie ihr altes Leben ab und taucht ein in eine aufregende, obsessive Liebe. Doch wer ist dieses neue Ich, das sich mitreißen lässt und keinen Halt mehr findet? Ein Debüt über die Zwänge, Strukturen und Fallstricke von Beziehungen. (mehr …)
by LiSe | 1. Feb. 2024 | Blog, Kurzgeschichte
Von Herbert Klocke
Schwache Männer schreiben dir Lieder. Starke Männer stehen an der Bar und begaffen dich. Obwohl du doch gerade den ganzen Laden schmeißt, haben sie keinen Respekt. Aber das kennst du ja nicht anders. (mehr …)
by LiSe | 1. Feb. 2024 | Blog, Rezension & Buchempfehlungen
Ilona Jergers Roman über den Verhaltensforscher Konrad Lorenz
Von Stefanie Bürgers
Weißer Haarschopf im See inmitten von Graugänsen, ein vertrautes, sympathisches Bild: Konrad Lorenz, österreichischer Humanmediziner, Zoologe und Verhaltensforscher, der bei Wien mit Graugänsen lebte, ihre Laute nachahmte und Gras mit dem Mund zupfte. Bereits in den frühen 1930er Jahren beschrieb er – durch empirische Beobachtung belegt –, dass ein Gänseküken das erste Lebewesen, das es nach dem Schlüpfen erblickt, als Mutter annimmt. So kam es, dass die Mutterrolle bei seinem ersten Beobachtungsobjekt – von Lorenz Martina genannt – zwangsläufig auf ihn fiel. Alle späteren Versuche, die Prägung zu ändern, schlugen fehl. Martina folgte Lorenz Tag und Nacht – bis ins Schlafzimmer, wo sie nachts von ihm eine Heizdecke bekam. (mehr …)