[LiSe 12/17] Geschenke – ein literarisches Ratespiel

In zehn Werken der Weltliteratur erfüllen Geschenke ihren Zweck: so hintersinnig, wie es eben große Autoren und Autorinnen ersinnen können. Auch eine Anregung für den literarischen Gabentisch. Wir wünschen viel Vergnügen beim kleinen Ratespiel!

  1. Ein amerikanischer Autor aus Chicago, Nobelpreis 1976, entwirft, durchsetzt mit fiktiven Briefen an Eisenhower, Einstein, Spinoza die
    Lebenskrise eines Professors, der seine kapriziöse Ehefrau verliert und sein Kind mit Geschenken an sich binden will:

Als erfahrener Vater wartete er weise, bis sie den (Ford) Falcon erreichten und sagte erst dann: „Ich habe Geschenke für dich im Kofferraum!“ „O Papa, was hast du mitgebracht?“ … Und er überlegte, wie sie diese Welt der großen Werkzeuge, der physikalischen Prinzipien und der angewandten Wissenschaft einst erben würde.

  1. Österreicher wider Willen, der in seinem umfangreichsten Roman von Rom aus die engen Verhältnisse seiner Heimat sezieren lässt:

Die Mutter sagt zu einem solchen Mann, ich schenke dir einen Erben und nimmt ihm gleichzeitig und tatsächlich praktisch alles weg. Andererseits hat der neue Vater das Gefühl, die Schuldigkeit getan zu haben, auf die es ihm angekommen ist. Ist der Erbe da, interessiert ihn die Frau gar nicht mehr. (mehr …)

[LiSe 12/17] Geschenke – ein literarisches Ratespiel (Auflösung)

Geschenke – ein literarisches Ratespiel

Auflösung

  1. Saul Bellow – „Herzog“
  2. Thomas Bernhard – „Auslöschung“
  3. Günter Grass – „Die Blechtrommel“
  4. James Joyce – „Ulysses“
  5. Milan Kundera – „Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins“
  6. Thomas Mann – „Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull“
  7. Frank McCourt – „Die Asche meiner Mutter“
  8. Erich Maria Remarque – „Im Westen nichts Neues“
  9. Francoise Sagan – „Bonjour Tristesse“
  10. Claude Levi Strauss – „Traurige Tropen“

[LiSe 11/17] November trägt den Trauerflor

Auf der Suche nach Gräbern von Münchner Dichtern

Von Antonie Magen

Herbst, November, das Jahr neigt sich dem Ende zu, alles deutet auf Winter. Schon immer war dieser Monat ein beliebtes lyrisches Thema, das Raum gibt für Melancholie und Schwermut, für Innehalten, Rückschau, Andenken. November – das ist der Monat, der mit einem Tag beginnt, an dem der Toten gedacht wird, der Abwesenden, die nur noch in der Erinnerung leben, die längst so irreal geworden ist, dass sie mehr einem Traum gleicht als der Wirklichkeit. So empfand es zumindest Paul Heyse, der im Gedicht „Allerseelen“ schrieb: „Ach, hörst du nicht sausen/Den Herbstwind im Baum?/Ach, ging nicht die Liebe/Dahin wie ein Traum?//Vom Hügel, darunter/Sie schlummert schon lang,/Klingt leise das Liedchen,/Das einst sie dir sang“. Heute ruht Heyse selbst im Grab – auf dem Waldfriedhof, auf dem es nicht an Bäumen fehlt, in denen der Herbstwind sein vergängliches Lied singt. Mit einem einfachen Hügel allerdings ist es nicht getan. Heyses Grabmal ist so monumental, wie es sich für einen Nobelpreisträger gehört, und als antikisierende Ruine gestaltet. (mehr …)

[LiSe 10/17] Das Blaue vom Himmel

Das „Literaturportal Bayern“ will neue Leserkreise erobern / Gründung vor fünf Jahren

Von Antonie Magen

Literaturportal Bayern“ – der Name scheint schon alles zu sagen, und in der Tat werden unter der Adresse www.literaturportal-bayern.de/ seit fünf Jahren Informationen zur bayerischen Literatur virtuell vereinigt. Inhaltlich und technisch betreut wird das Portal von der Bayerischen Staatsbibliothek, unterstützt vom Bayerischen Staats-
ministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst. Diese nüchterne Definition greift aber deutlich zu kurz. Denn das „Literaturportal Bayern“ ist weit mehr als nur ein Internetauftritt. Sein fünfter Geburtstag gibt Anlass zu fragen: Was ist es noch? Was war es? Was ist es geworden? (mehr …)

[LiSe 09/17] Marmorbüsten und Gedenktafeln

Literarische Denkmäler – wie in München Dichter gewürdigt werden

Von Stefanie Bürgers

Dunkel, laut, schlechte Luft, zäh fließender Verkehr, flatternde und ab und an auch tote Tauben. Es wird kaum einen Münchner geben, der sie mit Literatur in Verbindung bringt, die Paul-Heyse-Unterführung. Die ganz überwiegende Mehrheit der Bevölkerung wird davon überzeugt sein, dass Paul Heyse ein berühmter und verdienter Ingenieur war. Weit gefehlt. Ein Schriftsteller war er, Nobelpreisträger. Seit Mai 1854 in München, förderte er durch seine kritischen Essays bekannte, doch noch wenig geschätzte Literaten wie Storm, Mörike, Hebbel, Grillparzer oder Turgenjew. 1910 wurde er als erster deutscher Dichter für sein Lebenswerk als Lyriker, Dramatiker, Romanschriftsteller und Novellen-Dichter mit dem Nobelpreis für Literatur geehrt. Seine Villa in der Luisenstraße in der Nähe des Lenbachhauses entging 2016 dem Abbruch. (mehr …)

[LiSe 07/17] Der ewige Emigrant

Rebell, Weltbürger, Erzähler – Oskar Maria Graf im Literaturhaus

Von Antonie Magen

Am Anfang begegnet man ihm in nichts weniger als in sechs unterschiedlichen Varianten. Der Besucher, der dieser Tage den Ausstellungsraum des Literaturhauses betritt, wird gleich eingangs mit einem halben Dutzend Porträts von Oskar Maria Graf konfrontiert. Die Bilder entstanden im Jahr 1932 und waren als Scherz gedacht, den sich Graf und der Maler Karl Wähmann erlaubten. Im Sommer dieses Jahres verbrachten die beiden viel Zeit miteinander, während der Wähmann Graf in zwölf Bildern verewigte. Der Clou war, dass sie jeweils in unterschiedlichen Malstilen der Moderne gestaltet waren und unter dem Titel „Zwölf ungenannte Maler variieren ein Männerbildnis“ einem der NSDAP nahestanden Kunsthändler angeboten wurden. (mehr …)